Kennt ihr das noch? Früher musste man Bücher lesen, ob man wollte oder nicht. Es wurde durchgehalten, durchgekämpft, durchgeblättert – manchmal mehr mit Seufzen als mit Begeisterung. Zum Glück hat sich da einiges verändert. Heute dürfen Bücher Spaß machen. Sie dürfen anders aussehen. Sie dürfen bunt, laut, kreativ und voller Sprechblasen sein. Und genau so ein Buch ist ‚Der Comic-Club‘ von Scott McCloud, illustriert von Raina Telgemeier.
Mein neunjähriger Sohn – grundsätzlich eher Team „Ich lese, wenn es sich lohnt“ – hat dieses Buch aufgeschlagen … und dann einfach nicht mehr aufgehört. Kein Erinnern, kein „Lies doch noch ein Kapitel“, kein Diskutieren. Er war drin. Komplett. Und als er fertig war, kam nur ein klares Urteil: „Fünf von fünf Sternen.“ Direkt danach saß er am Tisch und begann, seinen eigenen Comic zu zeichnen. Wenn ein Buch das schafft, dann hat es alles richtig gemacht.
In ‚Der Comic-Club’ geht es um vier sehr unterschiedliche Kinder: Makayla, die vor Ideen nur so sprudelt, Howard, der leidenschaftlich zeichnet, aber zu Hause wenig Unterstützung bekommt, Lynda, die in ihrem Perfektionismus gefangen ist, und Art, der einfach drauflos kreativ sein will. Gemeinsam gründen sie einen Comic-Künstler-Club – und entdecken dabei nicht nur, wie man Comics entwickelt, sondern auch, wie man über sich hinauswächst.
Was ich besonders schön finde: Es geht hier nicht nur ums Zeichnen. Es geht um Ausdruck. Um Körpersprache, Mimik, Perspektiven. Um die Frage, wie Geschichten entstehen. Und ganz nebenbei um Selbstzweifel, Mut, Freundschaft und darum, seine eigene Stimme zu finden. Das alles verpackt in einer lockeren, humorvollen, zugänglichen Form.
Manche würden vielleicht sagen: „Ist ja nur ein Comic.“ Aber ganz ehrlich? Comics sind Lesen. Punkt. Und dieser hier ist viel mehr als das. Er hat Tiefgang, Herz und Humor. Die Dialoge sind lebendig, stellenweise richtig witzig, und der Leser wird immer wieder direkt angesprochen. Man fühlt sich mittendrin im Club.
Durch den überschaubaren Textanteil ist das Buch auch ideal für Kinder, die sich sonst mit längeren Texten schwertun. Die Zeichnungen tragen die Geschichte, ohne oberflächlich zu sein. Es ist leicht zugänglich – und trotzdem inhaltlich stark.
Für uns ist ‚Der Comic-Club‘ ein Volltreffer. Mein Sohn war begeistert. Ich war positiv überrascht. Und wir beide würden uns riesig über eine Fortsetzung freuen. Denn wenn Lesen so viel Freude macht, darf es davon gern mehr geben.
