„Das Echo der Toten – Niemand schweigt für immer“

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr ein Buch beendet und sofort denkt: Das gehört verfilmt. Diese Geschichte schreit nach Bildern, nach Musik, nach Gänsehautmomenten auf der Leinwand. Und dann – Monate später – taucht genau dieser Stoff bei Netflix auf. Genau das ist mir mit dem ersten Band dieser Reihe passiert. Und jetzt halte ich mit „Das Echo der Toten – Niemand schweigt für immer“ den dritten und letzten Teil in den Händen. Ein Finale. Ein Abschied. Und ehrlich? Ich war gleichermaßen voller Vorfreude und ein bisschen wehmütig.

Javier Castillo hat etwas an sich, das mich immer wieder packt. Seine Geschichten sind nicht laut im klassischen Sinne. Keine übertriebene Action, keine künstlich aufgeblasenen Cliffhanger. Stattdessen ist da dieses konstante, unterschwellige Ziehen im Bauch. Dieses Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas Dunkles brodelt.

Diesmal führt uns die Geschichte zurück in einen Fall, der seit dreißig Jahren nicht zur Ruhe gekommen ist. Ein siebenjähriger Junge verschwindet spurlos. Der Vater, FBI-Agent Ben Miller, hat die Suche nie aufgegeben. Auch nicht nach seiner Pensionierung. Und an seiner Seite steht wieder Miren Triggs – Journalistin, Getriebene, Wahrheitssuchende. Ich liebe diese Figur. Sie ist nicht perfekt, nicht glatt, nicht heldenhaft im klassischen Sinn. Aber sie ist mutig. Und vor allem lässt sie nicht locker.

Der Einstieg ist intensiv und emotional. Man ist sofort wieder drin in dieser Welt aus alten Wunden, unbeantworteten Fragen und Menschen, die nicht loslassen können. Der Fund einer halb verwesten Leiche bringt neue Dynamik in den Fall – und plötzlich wird aus einem alten Vermisstenfall ein Netz aus Lügen, Geheimnissen und grausamer Wahrheit.

Was ich an Castillos Schreibstil so schätze, ist seine Klarheit. Er beschreibt nüchtern, beinahe sachlich – und gerade das macht die Brutalität so eindringlich. Nichts wirkt übertrieben oder effekthascherisch. Es ist diese trockene, fast distanzierte Art, die einem die Ereignisse umso stärker unter die Haut gehen lässt. Das Grauen entsteht nicht durch große Worte, sondern durch das, was zwischen den Zeilen mitschwingt.

Die wechselnden Perspektiven sorgen wieder für ordentlich Spannung. Man bekommt unterschiedliche Blickwinkel, entdeckt neue Puzzleteile, setzt Vermutungen zusammen – und wird trotzdem immer wieder überrascht. Ich hatte früh eine Ahnung, wohin die Reise gehen könnte. Und ja, manches hat sich bestätigt. Aber das bedeutet nicht, dass mich die Geschichte kaltgelassen hat. Im Gegenteil. Selbst mit einer Vorahnung fiebert man mit, leidet mit, hofft – und erschrickt trotzdem.

Besonders gelungen fand ich, wie sich alles Stück für Stück entfaltet. Keine hektischen Enthüllungen, sondern ein langsames, konsequentes Freilegen der Wahrheit. Und als sie schließlich ans Licht kommt, ist sie nicht nur schockierend, sondern zutiefst verstörend.

Dieses Buch geht unter die Haut. Nicht durch lautes Spektakel, sondern durch psychologische Tiefe. Durch die Frage, wie lange Schweigen bestehen kann. Und wie zerstörerisch es ist.

Für mich ist „Das Echo der Toten“ ein würdiger Abschluss dieser Trilogie. Emotional, düster, konsequent. Ich habe mitgefiebert, mitgerätselt und am Ende das Buch mit einem schweren, aber zufriedenen Herzen geschlossen.

Und ja – ich bin traurig, dass es vorbei ist. Miren Triggs werde ich vermissen. Aber vielleicht ist genau das das Zeichen einer guten Reihe: Wenn man nach der letzten Seite nicht loslassen möchte.

Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen. Ein starkes Finale, das noch lange nachhallt.


Wo sind die glutenfreien Eltern da draußen?

 Und trotzdem.

Trotz all unserer positiven Vibes, trotz Motivation, trotz „Wir schaffen das schon“-Mentalität ist da auch noch etwas anderes. Etwas, das leiser ist, aber manchmal ganz schön laut wird, wenn man abends im Bett liegt und die Gedanken anfangen, Kreise zu drehen.

Angst.

Sorge.

Diese typischen Eltern-Gedanken, die man sich nicht aussucht, die aber trotzdem kommen.

Ich frage mich so oft: Wie verpackt er das eigentlich alles? Was geht in seinem kleinen Kopf vor? Fühlt er sich anders als die anderen? Fühlt er sich irgendwann ausgeschlossen? Kommt irgendwann dieser Moment, in dem er denkt: Warum ausgerechnet ich?

Und dann tut mir allein der Gedanke daran schon weh.

Wir wissen doch alle, wie Kinder sein können. Sie sind ehrlich. Direkt. Ungefiltert. Und manchmal leider auch grausam. Wie auf einer Putenfarm: Ist eine anders, hacken alle auf ihr rum. Punkt. So unfair das klingt, so oft stimmt es.

Was ist, wenn er deswegen gehänselt wird? Wenn er erklären muss, warum er etwas nicht essen darf? Wenn er wieder und wieder gefragt wird, warum er „so kompliziert“ ist?

Was ist mit Kindergeburtstagen? Nicht seinem eigenen – den bekommen wir hin. Da bin ich inzwischen Profi in Planung und Organisation. Aber die von anderen. Wenn alle Kuchen essen und er daneben sitzt. Wenn alle zugreifen und er erst mal nachfragen muss. Wenn er sich vielleicht nicht traut, etwas zu sagen, um nicht aufzufallen.

Und irgendwann später… wenn er größer ist. Wenn Partys kommen. Wenn Freunde spontan Döner holen, Pizza bestellen, irgendwo anhalten. Und er wieder der ist, der nicht einfach mitmachen kann. Der überlegen muss. Der planen muss. Der verzichten muss.

Wird ihn das nerven? Wird es ihn traurig machen? Wird es ihn wütend machen?

Und dann diese eine Frage, die mir manchmal das Herz zusammendrückt:

Schaffen wir das als Eltern?

Schaffen wir es, ihn so stark zu machen, dass er das nicht als Schwäche sieht? Dass er sich nicht klein fühlt? Dass er sich nicht minderwertig fühlt?

Schaffen wir es, ihm zu zeigen, dass das keine Strafe ist. Kein Makel. Kein Nachteil. Sondern einfach ein Teil von ihm. Und vielleicht irgendwann sogar eine Art Superkraft. Weil er früh lernt, auf sich zu achten. Weil er Verantwortung übernimmt. Weil er seinen Körper versteht. Weil er weiß, was ihm guttut.

Ich wünsche mir so sehr, dass er eines Tages sagen kann: „Ja, ich habe Zöliakie. Und? Ist halt so. Ich komm klar.“

Dass er selbstbewusst ist. Dass er mutig ist. Dass er sich nicht versteckt.

Und manchmal, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Angst, dass wir daran scheitern könnten. Dass wir Fehler machen. Dass wir nicht immer die richtigen Worte finden. Dass wir ihn aus Versehen zu sehr schützen oder zu wenig.

Elternsein ist sowieso schon schwer.

Mit chronischer Krankheit wird es nicht leichter.

Und deshalb jetzt dieser kleine Hilferuf:

Wo sind die glutenfreien Eltern da draußen?

Die, die das alles schon kennen.

Die, die diese Gedanken auch hatten.

Die, deren Kinder älter sind.

Die, die wissen, wie es weitergeht.

Bitte steht mir bei.

Redet mir gut zu.

Erzählt mir, dass es gut wird.

Dass die Kinder stark werden.

Dass sie ihren Weg finden.

Dass sie glücklich sein können. Trotz allem. Oder vielleicht gerade deswegen.

Ich brauche das gerade ein bisschen. 💛


Gebrauchte Bücher? Aber klar…

Einer meiner guten Vorsätze für dieses Jahr? Der wurde erstaunlich erfolgreich umgesetzt – und das will bei mir wirklich etwas heißen. Weniger unkontrollierte Buchkäufe, mehr Rücksicht auf Portemonnaie und Umwelt. Und ja, auch ich habe dieses Jahr beschlossen: Gebrauchte Bücher dürfen mit einziehen.

Natürlich funktioniert das nicht immer. Bei brandneuen Erscheinungen liegt der Gebrauchtpreis oft so nah am Neupreis, dass man sich den Umweg eigentlich sparen kann. Aber bei älteren Titeln? Jackpot. Genau dort liegt für mich der Reiz – und deshalb möchte ich euch heute eine Entdeckung zeigen, die mich selbst überrascht hat.

Ich habe zum ersten Mal bei BookBot bestellt. Und ich sage es gleich vorweg: Ich war skeptisch. Sehr sogar. Ich bin pingelig, was Bücher angeht. Leserillen, Eselohren, angestoßene Ecken – mein innerer Bücher-Monk schlägt da sofort Alarm. Aber wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also habe ich mich durch das Angebot geklickt, gestaunt, gehadert, Bücher in den Warenkorb gelegt und wieder rausgeworfen (ihr kennt das) – und dann bestellt.

Als das Paket ankam, war ich ehrlich gespannt. Die Auswahl auf der Website ist riesig, die Preise verlockend – fast zu verlockend. Aber wie würden die Bücher wirklich aussehen? Und dann: große Erleichterung. Die Bücher waren genau so, wie sie beschrieben waren. Kein Schönreden, kein „naja, mit viel Wohlwollen noch okay“. Sondern fair, transparent und absolut nachvollziehbar.

Besonders gut gefällt mir, dass man bei BookBot den Zustand mit auswählen kann. Gegen einen kleinen Aufpreis entscheidet man selbst, ob „gut“, „sehr gut“ oder „exzellent“ reicht. Für mich als Bücherliebhaberin ein riesiger Pluspunkt. Ich weiß, worauf ich mich einlasse – und werde nicht überrascht.

Und das Ergebnis? Soo viele tolle Bücher, in einem Zustand, der mein Herz erfreut, und zu Preisen, bei denen mein Portemonnaie nicht leise weint. Ganz im Gegenteil. Ich hatte eher das Gefühl, einen kleinen literarischen Schatz gehoben zu haben.

Fazit: Bei BookBot werde ich definitiv öfter bestellen. Es fühlt sich gut an, Büchern ein zweites Leben zu schenken, dabei Geld zu sparen und trotzdem nicht auf Qualität verzichten zu müssen.

https://bookbot.de/

Und jetzt bin ich neugierig: Kauft ihr auch gebrauchte Bücher – oder seid ihr eher Team „nur neu“? 📚💚


Zöliakie, Mehl und Ehekrisen in Edelstahl

Und als wäre das alles noch nicht genug gewesen, durfte noch etwas bei uns einziehen. Etwas, das ich mir seit Jahren wünsche. Etwas, um das ich innerlich schon lange herumschleiche wie eine Katze um einen heißen Brei. Etwas, für das wir bisher einfach nie bereit waren, so viel Geld auszugeben.

Eine neue Küchenmaschine.

Natürlich selbstgekauft. Keine Kooperation. Kein Geschenk. Kein „Hey, probier doch mal“. Einfach wir. Unser Konto. Unsere Entscheidung.

Und jetzt kommt die Quizfrage des Tages:

Wer hat sie gekauft?

Richtig.

Mein Mann.

Es gibt diese Küchenmaschinen in allen erdenklichen Farben. In Mint. In Rot. In Orange. In Pastell. In Matt-Schwarz. In „Ich-bin-ein-Instagram-Traum“-Optik. In „Ich-mache-jede-Küche-hübscher“-Design.

Und was bekomme ich?

Edelstahl.

Edelstahl.

Als würden wir ab morgen eine Großküche eröffnen. Oder eine Kantine. Oder eine industrielle Bäckerei mit Schichtbetrieb.

Ich hatte mich innerlich schon gesehen, wie ich süße Reels drehe. Mit einer roten Küchenmaschine im Hintergrund. Farbenfroh. Fröhlich. Mehl im Gesicht. Gute Laune. „Happy glutenfree baking vibes“.

Und jetzt?

Steht da ein silbernes, hochprofessionelles, emotionslos glänzendes Gerät und schaut mich an, als wolle es sagen: „Wir sind hier zum Arbeiten. Nicht zum Spaß.“

Danke dafür.

Ich habe kurz überlegt, ob ich mein ganzes Farbkonzept jetzt einfach umbaue. Vielleicht ziehe ich ab sofort nur noch schwarze Oberteile an, damit alles zusammenpasst. So richtig im Wednesday-Style. Dunkel. Mysteriös. Backen mit Drama. 

Ich war ehrlich gesagt so „begeistert“, dass ich mich geweigert habe, beim Auspacken zu helfen. Einfach aus Prinzip. Man muss ja auch mit fast 40 noch ein bisschen schmollen dürfen. Das ist mein gutes Recht.

Ich stand daneben, habe geguckt, kommentarlos den Kopf geschüttelt und innerlich einen kleinen Protestmarsch veranstaltet.


Natürlich hatte ich direkt einen Plan.

Plan A:

Am nächsten Tag heimlich umtauschen.

Klingt gut, oder?

Tja. Dummerweise lag am nächsten Tag der Rest der Familie mit Grippe auf der Couch. Und während alle mehr oder weniger elendig vor sich hin vegetierten, stand Bäckermeister Michael geschniegelt und motiviert in der Küche und hat bereits die ersten glutenfreien Teige geknetet.


Mit meiner Edelstahlmaschine.

Meiner.

Unantastbar.

Unumtauschbar.

Eingearbeitet.

Das Thema war damit durch.

Und weißt du was?

Natürlich liebe ich sie inzwischen trotzdem ein bisschen.

Natürlich ist sie praktisch.

Natürlich macht sie einen mega Job.

Natürlich werden wir damit wahrscheinlich die besten Brote und Teige unseres Lebens produzieren.

Aber innerlich trauere ich meiner roten Instagram-Traum-Maschine noch ein kleines bisschen nach.


Sehr leise.

Sehr heimlich.

Sehr erwachsen.

Oder auch nicht.


Et is wie et is.

Et kütt wie et kütt.

Et hätt noch emmer joot jejange.

Und jetzt wird halt mit Edelstahl gebacken.

Fortsetzung folgt. 💛😄


Kapitel Mehl

Nach dem Buch über glutenfreies Brotbacken, Kuchen, Brötchen und weiß der Geier was noch alles, kam ziemlich schnell die nächste Erkenntnis: Damit ist es natürlich nicht getan. Ein Buch allein macht noch keine glutenfreie Küche. Schön wär’s.

Also ging es los mit dem nächsten Kapitel: Mehl.

Und zwar nicht ein bisschen Mehl.

Nein. Viel Mehl. Sehr viel Mehl.

Wir haben angefangen, verschiedene Mehlsorten einzukaufen, um unsere eigenen Mischungen herzustellen. Für Brot. Für Kuchen. Für süße Teige. Für herzhafte Teige. Für Pizza. Für alles, was irgendwie mal mit Mehl zu tun haben könnte. Plötzlich standen da Tüten und Dosen mit Namen, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass sie existieren. Hirsemehl, Buchweizenmehl, Reismehl, Sorghum, Teff, Tapioka, Flohsamenschalen… Ich habe teilweise das Gefühl, ich habe heimlich ein kleines Spezialstudium in alternativen Mehlsorten begonnen.

Und als wir dachten, jetzt wären wir erstmal ganz gut ausgestattet, kam die nächste Erkenntnis: Es geht nicht nur ums Essen. Es geht um alles drumherum.

Neue Brettchen.

Neue Messer.

Neue Küchenutensilien.

Neue Aufbewahrungsdosen.

Neue Arbeitsflächen-Routinen.

Auf einmal schaut man seine eigene Küche an und denkt: Okay… das hier ist jetzt ein potenzielles Minenfeld.

Krümel werden plötzlich zum Thema.

Toaster zum Feind.

Holzbretter zum Risiko.

Wer hätte gedacht, dass ein bisschen Gluten so einen Rattenschwanz hinter sich herzieht?

Man fängt an, über Dinge nachzudenken, über die man sich vorher nie Gedanken gemacht hat. Wo lag das Brot? Womit wurde geschnitten? Wurde das Brett vorher benutzt? Ist das sauber genug? Kann da noch was dran sein?

Man wird plötzlich sehr aufmerksam. Und sehr gründlich. Und manchmal auch ein kleines bisschen paranoid. Aber lieber so, als anders.

Und trotzdem – bei all dem Chaos, bei all den neuen Regeln, bei all den To-do-Listen und Umstellungen – merke ich gerade: Wir sind auf einer Mission.

Wir entdecken neue Welten.

Neue Zutaten.

Neue Rezepte.

Neue Möglichkeiten.

Wir lernen jeden Tag dazu. Und ja, manchmal nervt es. Manchmal ist es anstrengend. Manchmal hätte ich gerne einfach nur „normal“ gekocht, ohne vorher fünf Zutaten zu googeln. Aber dann sehe ich, wie selbstverständlich mein Sohn damit umgeht, wie neugierig er ist und wie sehr er merkt, dass wir das gemeinsam machen – und dann weiß ich, dass sich all das lohnt.

Und machen wir uns nichts vor: In der heutigen Zeit lässt sich damit wirklich ganz gut leben. Das Angebot ist riesig. Die Auswahl wächst ständig. Man findet Rezepte, Communities, Tipps, Unterstützung. Vor zwanzig Jahren hätte das alles wahrscheinlich ganz anders ausgesehen. Da wäre vieles noch komplizierter, einsamer und schwerer gewesen.

Heute fühlt es sich eher an wie ein großes Puzzle, das wir Stück für Stück zusammensetzen.

Mit Mehl an den Händen.

Mit Chaos in der Küche.

Mit viel Humor.

Und mit dem festen Willen, unseren eigenen Weg zu finden.

Fortsetzung folgt. 💛


Vom Schock zur Tat – Unser Einstieg ins glutenfreie Abenteuer

Na, ich hab es doch gesagt: Die Schockstarre ist vorbei. Dieses erste „Oh Gott, was jetzt?“ hat sich langsam gelegt und ist einem ziemlich pragmatischen „Okay, dann machen wir das jetzt eben“ gewichen. Und genau da stehen wir gerade. Am Anfang. Mitten im Lernprozess. Mitten im Ausprobieren. Mitten in all den kleinen Anfängerfehlern, über die viele wahrscheinlich schmunzeln werden – und wir vermutlich auch. Später. Hoffentlich. Irgendwann. Denn im Moment fühlt sich noch vieles neu, fremd und manchmal auch ein bisschen überwältigend an.

Kaum hatten wir die Diagnose einigermaßen verdaut, ging es bei uns erstaunlich schnell in den Aktionismus über. Mein Mann ist quasi direkt zur nächsten Buchhandlung gestürmt und kam wenig später mit einem Backbuch unter dem Arm wieder nach Hause. Natürlich. Als gelernter Bäcker ist er jetzt offiziell hochmotiviert, die besten glutenfreien Brote dieser Welt zu backen. Ich sehe ihn innerlich schon mit Notizbuch, Mehlproben und geheimen Rezepten in der Küche stehen, während ich noch versuche herauszufinden, welches Mehl überhaupt wofür geeignet ist. Aber ganz ehrlich: Ich liebe diesen Enthusiasmus. Er zeigt mir, dass wir uns davon nicht kleinmachen lassen. Wir nehmen die Herausforderung an. Auf unsere Art.

Was wir allerdings ziemlich schnell gemerkt haben: Glutenfrei ist nichts für schwache Nerven – zumindest nicht für den Geldbeutel. Man greift im Supermarkt ganz selbstverständlich ins Regal, denkt sich „Ach, das sieht doch normal aus“, schaut auf den Preis und fragt sich im nächsten Moment, ob dieses Produkt vielleicht heimlich mit Blattgold veredelt wurde. Mehl, Brot, Kekse, Snacks – irgendwie scheint alles plötzlich deutlich teurer zu sein. Ich hoffe sehr, dass wir mit der Zeit schlauer einkaufen, bessere Alternativen finden und lernen, wo man sparen kann, ohne auf Qualität zu verzichten. Im Moment fühlt es sich noch an wie eine Mischung aus Schock und Experimentierphase. Aber auch das gehört wohl dazu.

Unser Ziel ist jedenfalls ziemlich klar: Wir möchten so viel wie möglich selbst machen und so wenig wie möglich auf stark verarbeitete Industrieprodukte zurückgreifen. Wir wollen wissen, was drin ist, wir wollen Kontrolle über die Zutaten haben und vor allem wollen wir unserem Sohn zeigen, dass glutenfrei nicht automatisch Verzicht bedeutet. Es ist einfach anders. Und anders kann auch gut sein. Vielleicht sogar besser. Mehr gemeinsames Kochen, mehr Ausprobieren, mehr Chaos in der Küche, mehr Mehl auf dem Boden als im Teig und vermutlich auch mehr Fluchen, wenn wieder etwas nicht so wird, wie geplant. Aber all das gehört irgendwie dazu.

Manchmal sitze ich da und denke, wie verrückt das eigentlich ist. Vor ein paar Wochen war das alles noch kein Thema. Wir haben eingekauft, gekocht und gegessen, ohne groß darüber nachzudenken. Und jetzt lesen wir Zutatenlisten wie andere Leute Romane, googeln jedes zweite Wort, speichern Rezepte, schreiben Einkaufslisten und planen Mahlzeiten, als würden wir eine kleine Expedition vorbereiten. Unser Alltag hat sich verändert, ohne dass wir ihn bewusst verändert hätten. Und trotzdem fühlt es sich nicht nach Weltuntergang an. Eher nach neuen Spielregeln, die man erst lernen muss, bevor man richtig mitspielen kann.

Ich bin wirklich gespannt, wo wir in einem Jahr stehen werden. Ob wir dann routiniert durch den Supermarkt laufen, ohne jedes Etikett dreimal zu prüfen. Ob mein Mann sein perfektes Brot-Rezept gefunden hat. Ob ich beim Backen nicht mehr panisch nachlesen muss, ob Backpulver jetzt glutenfrei ist oder nicht. Ob wir über unsere ersten Fehlkäufe, misslungenen Experimente und bröseligen Brote lachen können. Wahrscheinlich ja. Und genau darauf freue ich mich.

Denn das würde bedeuten, dass wir drangeblieben sind. Dass wir gelernt haben. Dass wir unseren Weg gefunden haben.

Das hier ist unser Anfang. Nicht perfekt, nicht fehlerfrei, aber voller Motivation, Hoffnung und einer ordentlichen Portion Mehl auf dem Weg. Und ich bin mir ziemlich sicher: Das ist erst der Anfang unserer ganz eigenen glutenfreien Geschichte. 💛