Hey Darmzotte!

Habt ihr ein Kind mit der Diagnose Zöliakie? Dann möchte ich euch heute ein Buch vorstellen, das mir wirklich am Herzen liegt.

Als Familie, die selbst noch mitten im Lernprozess steckt, weiß ich, wie viele Fragen, Gefühle und Unsicherheiten diese Diagnose mit sich bringt. Gerade für Jugendliche ist es oft noch einmal eine ganz eigene Herausforderung. Nicht dazugehören. Anders essen müssen. Erklären müssen. Verzichten müssen. Und genau hier setzt Hey Darmzotte! von Verena Herleth an – ein Jugendroman, der sogar von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft empfohlen wird.

Im Mittelpunkt steht Carina. Seit einem Jahr lebt sie mit der Diagnose Zöliakie, nach mehreren Krankenhausaufenthalten melden ihre Eltern sie zu einem Ernährungskurs in den Bergen an. Begeistert ist sie davon zunächst nicht. Noch mehr über ihre Krankheit sprechen? Noch mehr „anders sein“? Darauf hat sie eigentlich keine Lust.

Doch genau dort trifft sie zum ersten Mal auf andere Jugendliche, die ebenfalls mit Zöliakie leben. Und plötzlich steht nicht mehr nur die Diagnose im Raum. Denn schnell merken sie: Sie verbindet viel mehr als nur ihre Erkrankung. Freundschaft, Unsicherheit, Humor, erste Verliebtheit – das Leben hört ja nicht auf, nur weil man kein Gluten mehr essen darf.

Besonders gelungen finde ich die Tagebucheinträge, die sich durch das Buch ziehen. Sie geben einen sehr ehrlichen Einblick in Carinas Gedankenwelt. Man spürt ihre Wut, ihre Frustration, ihre Angst – aber auch ihre Hoffnung. Und genau das macht die Geschichte so nahbar. Jugendliche können sich in ihr wiederfinden, mit ihr fühlen, mit ihr wachsen.

Was mir außerdem sehr gefällt: Die fachlichen Informationen zur Zöliakie sind ganz selbstverständlich in die Handlung eingebunden. Kein erhobener Zeigefinger, kein trockener Sachtext, sondern Wissen, das sich organisch aus der Geschichte ergibt. So wird Verständnis geschaffen – sowohl für Betroffene als auch für Leserinnen und Leser, die sich einfach informieren möchten.

Natürlich darf auch ein bisschen Herzklopfen nicht fehlen. Carinas wachsendes Interesse an Maxin bringt zusätzliche emotionale Spannung ins Buch und zeigt: Zöliakie ist nur ein Teil des Lebens – nicht seine ganze Identität.

Hey Darmzotte! ist ein Jugendroman über Anderssein, Akzeptanz und Selbstbewusstsein. Über die Frage, wie man mit einer chronischen Erkrankung umgeht, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Und darüber, dass Einschränkungen nicht das Ende von Möglichkeiten bedeuten müssen.

Ich kann dieses Buch betroffenen Jugendlichen sehr empfehlen – aber genauso auch allen, die verstehen möchten, was diese Diagnose wirklich bedeutet. Ein wichtiges, sensibles und gleichzeitig hoffnungsvolles Buch, das Mut macht.


Zöliakie oder „nur“ ein Trend?

Diese Diskussion begegnet uns inzwischen häufiger, als mir lieb ist.

„Ach Mensch, stellt euch nicht so an.“

„Wenn die Pommes in der gleichen Fritteuse waren wie das panierte Schnitzel, wird das schon nicht so schlimm sein.“

„Ein Krümel macht doch nichts.“

Doch. Macht er.

Und genau das ist der Punkt, der mich immer wieder ärgert. Nicht, weil jemand es böse meint. Sondern weil man merkt, dass es nicht verstanden wird. Zöliakie ist keine Laune. Kein Lifestyle. Kein „Wir probieren das jetzt mal ohne Gluten“. Es ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem greift den eigenen Körper an. Der Darm entzündet sich chronisch, die Darmschleimhaut wird geschädigt, Nährstoffe können nicht richtig aufgenommen werden. Es geht um Mineralstoffe. Um Vitamine. Um langfristige Folgen.

Und trotzdem landen wir immer wieder in Vergleichen mit Menschen, die sich freiwillig glutenfrei ernähren. Was völlig in Ordnung ist – jeder darf essen, wie er möchte. Aber es ist eben ein Unterschied, ob man sich bewusst für etwas entscheidet oder ob man keine Wahl hat.

Für uns ist Gluten keine Option. Kein „Ach, heute mal eine Ausnahme“. Keine Grauzone. Keine „Wird schon gutgehen“-Mentalität. Ein Krümel ist kein Drama aus Prinzip, sondern ein Risiko aus medizinischer Sicht. Und ja, es ist anstrengend, das immer wieder zu erklären. Immer wieder zu relativieren. Immer wieder zu rechtfertigen, warum man eben nicht einfach mitisst.

Wir versuchen aufzuklären. Ruhig. Sachlich. Ohne Vorwürfe. Erklären, warum die Fritteuse eben nicht egal ist. Warum Kreuzkontamination ein Thema ist. Warum es nicht um Überempfindlichkeit geht, sondern um Gesundheit.

Und trotzdem bleibt manchmal dieses Gefühl, nicht ganz ernst genommen zu werden.

Vielleicht, weil Glutenverzicht in den letzten Jahren so präsent war. Vielleicht, weil viele Menschen jemanden kennen, der „auch kein Gluten isst“ – aber eben aus anderen Gründen. Vielleicht, weil man die Krankheit nicht sieht.

Aber nur weil man etwas nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht da ist.

Kennt ihr solche Situationen?

Diese Momente zwischen Aufklärung und innerlichem Augenrollen?

Zwischen Geduld und dem Wunsch, einfach mal laut zu sagen: „Es ist eben nicht egal.“

Wir lernen gerade, damit umzugehen. Mit Wissen. Mit Klarheit. Und mit der festen Haltung: Wir erklären es so oft wie nötig. Denn Verständnis entsteht nicht von allein.


Elmenhorster Mühle

Seit der Zöliakie-Diagnose unseres Sohnes ist „mal eben essen gehen“ leider nicht mehr ganz so unkompliziert wie früher. Spontan ins Restaurant? Schwierig. Kurz irgendwo einkehren? Noch schwieriger. Erst wird die Karte studiert, dann werden Zutaten hinterfragt, dann folgt der prüfende Blick Richtung Küche. Essen gehen ist seitdem nicht nur Genuss, sondern auch Organisation, Vertrauen und ein kleines bisschen Mut.

Und genau deshalb fühlt es sich wie ein kleiner Jackpot an, wenn man ein Restaurant findet, bei dem all das plötzlich ganz leicht wird.

Wir haben vor einiger Zeit so einen Ort entdeckt – und das Verrückte daran ist: Wir fahren seit Jahren daran vorbei. Immer wieder. Und nie ist es uns wirklich ins Auge gefallen. Manchmal liegen die besten Dinge eben direkt vor der eigenen Nase.

Die Rede ist von der Elmenhorster Mühle – irgendwo zwischen Waltrop und Lünen-Brambauer (ehrlich gesagt diskutieren wir das immer noch). Ein Ort, der von außen vielleicht unscheinbar wirkt, aber innen mit Herzlichkeit, Gemütlichkeit und richtig gutem Essen überrascht.

Schon beim Blick in die Karte wurde klar: Hier versteht man, was glutenfrei wirklich bedeutet. Keine halbherzigen Kompromisse, kein unsicheres „Das müsste eigentlich gehen“, sondern echte Alternativen. Unser Sohn bestellte einen glutenfreien Burger – und ich übertreibe nicht, wenn ich sage: Er hat ihn gefeiert. Nicht dieses „Ist okay“-Lächeln, sondern echtes Begeistertsein. Und das ist für uns nach der Diagnose alles andere als selbstverständlich.

Wir Erwachsenen haben uns für glutenfreie Krüstchen entschieden – knusprig, herzhaft, einfach richtig gut. Kein Gefühl von Verzicht, kein „Das ist halt die glutenfreie Variante“, sondern ein Essen, das man genauso genießen kann wie jedes andere.

Das Ambiente? Gemütlich. Warm. Ein Ort, an dem man gern länger sitzen bleibt. Und dazu noch hundefreundlich – was bei uns direkt Pluspunkte sammelt. Es ist eines dieser Restaurants, in denen man merkt: Hier wird mitgedacht. Hier ist man willkommen.

So sehr sogar, dass wir beschlossen haben, hier die Kommunion unseres Sohnes im Anschluss zu feiern. Und das sagt eigentlich alles.

Für uns ist die Elmenhorster Mühle eine ganz klare Empfehlung. Nicht nur wegen des guten Essens, sondern wegen des Gefühls, einfach entspannt am Tisch sitzen zu können, ohne ständig in Alarmbereitschaft zu sein.

Jetzt sind wir neugierig: Habt ihr auch solche Geheimtipps? Restaurants, die glutenfrei ernst nehmen und trotzdem richtig gut schmecken? Wir sammeln gern weiter – denn gutes Essen sollte für alle möglich sein.


‚Action Dude 1: Zoff im Freizeitpark‘

Manchmal braucht es keine tiefschürfende Fantasywelt oder lange Kapitel voller Beschreibungen. Manchmal braucht es Explosionen. Roboter. Einen Freizeitpark. Und einen neunjährigen Superhelden, der noch bei seiner Mutter wohnt. Willkommen bei ‚Action Dude 1: Zoff im Freizeitpark‘ von Andy Riley.

Schon der Name ist Programm. Vorname: Action. Nachname: Dude. Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Oder doch? Denn hinter der lässigen Superheldenpose steckt ein Junge, der seine Welt gern ein kleines bisschen spektakulärer hätte, als sie vielleicht ist.

Action Dude lebt für die Gefahr. In seiner Vorstellung springt er aus Hubschraubern, rennt über Baukräne und verlässt Gebäude exakt in dem Moment, bevor sie explodieren. In der Realität ist er neun Jahre alt, wohnt bei seiner Mom – und hat panische Angst vor Spinnen. Was natürlich streng geheim ist. Schließlich ist er der mutigste Actionheld aller Zeiten. Zumindest fast.

Als im Freizeitpark plötzlich die Roboter durchdrehen, ist klar: Jetzt schlägt seine Stunde. Chaos, Gefahr, Explosionen – und mittendrin ein Junge, der sich kopfüber ins Abenteuer stürzt. Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf, die Spannungskurve stimmt, und ein gelungener Twist sorgt dafür, dass es nicht einfach nur bei Krawumm und Kawumm bleibt.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie Andy Riley mit dem Medium Comic spielt. Die Panels sind abwechslungsreich gestaltet, Perspektiven wechseln, Dynamik entsteht nicht nur durch die Handlung, sondern auch durch die Bildsprache. Hier wird das Potenzial des Comics wirklich genutzt – nichts wirkt statisch oder monoton. Andere Comics könnten sich davon durchaus eine Scheibe abschneiden.

Doch Action Dude ist mehr als nur Action. Im ersten Kapitel lernen wir die Figur näher kennen – und genau das macht den Comic interessant. Denn schnell merkt man: Dieser Junge flüchtet sich gern in seine Heldenrolle. Sein Alltag scheint ihm zu banal, zu gewöhnlich. In seiner Fantasie ist alles größer, schneller, lauter. Und trotzdem bleibt er glaubwürdig. Er ist mutig, ja – aber auch unsicher. Er will helfen, er will Anerkennung, auch wenn er so tut, als wäre ihm das völlig egal. Diese Widersprüche machen ihn greifbar.

Besonders gelungen ist, wie mit seiner Angst umgegangen wird. Seine Spinnenphobie wird nicht lächerlich gemacht, sondern als echte Hürde gezeigt. Und genau hier liegt eine Stärke des Buches: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, sich trotzdem zu stellen. Diese Botschaft kommt ganz nebenbei, ohne erhobenen Zeigefinger.

Der Erzählstil ist klar und zugänglich, gleichzeitig steckt auf einer zweiten Ebene mehr darin, als man auf den ersten Blick vermutet. Ich würde das Lesealter eher bei neun bis zehn Jahren sehen, auch wenn jüngere Kinder sicher ebenfalls Freude an den Bildern und der Action haben.

Für uns ist Action Dude ein rundum gelungener Comic mit trockenem Humor, viel Dynamik und einem Hauptcharakter, der herrlich planlos und gleichzeitig beeindruckend mutig durchs Chaos stolpert. Fünf von fünf Sternen – für ein Buch, das zeigt, dass Comics nicht nur unterhalten, sondern auch Charaktere mit Tiefe erzählen können.


 Es war nur eine Frage der Zeit. Natürlich. Natürlich würden wir irgendwann in die glutenfreie Realität klatschen. Und voilà – hier ist er: unser erster offizieller Gluten-Fail.


Mein Mann und ich standen hochmotiviert in der Küche. Neue Mehlmischung. Frisches Rezept. Zutaten, für die man gefühlt einen kleinen Kredit aufnehmen muss. Ihr wisst schon – diese glutenfreien Spezialzutaten, bei denen man an der Kasse kurz schluckt und sich denkt: Das MUSS jetzt gut werden.


Der Teig war angerührt. Und schon beim ersten Blick wussten wir: Das wird nichts. Man musste ihn nicht einmal liebevoll vor die Heizung stellen, um Hoffnung zu entwickeln. Dieser Teig hatte keinerlei Ambitionen, jemals ein Brot zu werden. Er war bockig, bröselig, beleidigt. Keine Elastizität. Kein Aufgehen. Einfach nur… traurig.


Kennt ihr das? Ihr haltet euch exakt ans Rezept. Grammgenau. Mit Küchenwaage. Mit Timer. Mit voller Ernsthaftigkeit. Und am Ende steht ihr da und schaut auf ein Etwas, das maximal als Briefbeschwerer taugt. In solchen Momenten bekomme ich blanke Wut. Nicht dieses sanfte „Ach schade“, sondern dieses innerliche „Wieso kostet das alles so viel Geld, wenn es dann nicht mal funktioniert?!“


Ich war kurz davor, dem Brot persönlich Vorwürfe zu machen.


Und dann – völlig losgelöst vom Backfrust, in einer dieser Sekunden zwischen Aufräumen und innerlichem Drama – fiel es mir wie Schuppen von den Augen.


Kartoffelfaser.


Kartoffelmehl.


Zwei völlig unterschiedliche Dinge.


Und wir? Hatten das Falsche gekauft.


Natürlich wird das Brot nichts, wenn man die Textur komplett sabotiert. Kartoffelfaser sorgt für Bindung und Struktur. Kartoffelmehl… nun ja, macht etwas völlig anderes. Kein Wunder, dass unser Teig aussah wie ein gescheiterter Sandkastenversuch.


In dem Moment schwankte ich zwischen Lachen und Weinen. Vor allem aber war ich erleichtert. Es war kein grundsätzliches Scheitern. Keine geheime glutenfreie Backverschwörung. Es war einfach ein Anfängerfehler. Ein klassischer „Wir lernen noch“-Moment.


Und genau das tun wir ja gerade. Lernen. Probieren. Scheitern. Nochmal probieren.


Zum Glück ist uns der Fehler aufgefallen. Und seitdem? Klappt unsere Mehlmischung endlich so, wie sie soll. Der Teig sieht aus wie Teig. Das Brot wie Brot. Und wir fühlen uns ein kleines Stück weniger wie absolute Neulinge in dieser glutenfreien Welt.


Fazit: Manchmal liegt zwischen Katastrophe und Erfolg nur ein falsch gekauftes Päckchen. Und ein bisschen Humor schadet auch nicht.


Fortsetzung folgt – vermutlich mit dem nächsten Back-Experiment.


Eltern heisen Eltern weil sie viel elter sind’

Manchmal braucht es gar keine große Geschichte mit Spannungsbogen und dramatischem Finale. Manchmal reicht ein einziger, herrlich ehrlicher Kindersatz – und man lacht Tränen. Genau so ging es mir mit ‚Eltern heisen Eltern weil sie viel elter sind’ von Hartmut Ronge.

Ich liebe dieses Konzept wirklich sehr. Man nimmt ein Thema – in diesem Fall das Familienleben – lässt Kinder ein Bild dazu malen und einen oder zwei Sätze schreiben. Und dann passiert Magie. Denn Kinder denken anders. Direkt. Ungefiltert. Kreativ. Und orthografisch völlig furchtlos. Heraus kommen kleine Perlen voller Wortverdrehungen, Denkfehler und gleichzeitig erstaunlicher Weisheit.

Schon der Titel ist ein Geschenk. „Eltern heisen Eltern weil sie viel elter sind.“ Punkt. Mehr Erklärung braucht es eigentlich nicht. Und genau so geht es im Buch weiter. Kinder erklären, warum Großeltern Großeltern heißen, was Geschwister eigentlich machen und wozu Eltern überhaupt da sind. Manche Aussagen sind herrlich logisch – zumindest aus Kinderperspektive. Andere sind so verdreht, dass man sie am liebsten direkt zitieren möchte.

Besonders schön finde ich, dass hier nichts glattgebügelt wurde. Die Sätze sind handgeschrieben, mit all ihren Rechtschreibabenteuern, Buchstabendrehern und ganz eigenen Regeln. Genau das macht den Charme aus. Man spürt in jedem Beitrag die Persönlichkeit des jeweiligen Kindes. Und die Zeichnungen dazu sind genauso bunt, frei und voller Fantasie wie die Gedanken selbst.

Beim Lesen habe ich nicht nur gelacht, sondern auch geschmunzelt, innegehalten und mich an eigene Gespräche erinnert. An diese Momente, in denen Kinder die Welt erklären – und man plötzlich merkt, wie anders und gleichzeitig wie klar sie denken. Es ist ein Blick auf Familie aus Kinderaugen. Und der ist oft viel liebevoller, als wir Erwachsenen es vermuten.

Dieses Buch ist kein klassisches Vorlesebuch. Es ist eher ein kleines Schatzkästchen für zwischendurch. Man kann es aufschlagen, zwei Seiten lesen, laut lachen, es weiterreichen. Perfekt als Geschenk für Eltern, Großeltern oder Erzieherinnen und Erzieher. Oder einfach für sich selbst, wenn man sich daran erinnern möchte, wie wunderbar schräg und ehrlich Kinderlogik sein kann.

Eltern heisen Eltern weil sie viel elter sind‘ ist schnell durchgelesen – aber bleibt lange im Kopf. Ein Buch voller Herz, Humor und dieser ganz besonderen Art von Wahrheit, die nur Kinder aussprechen können.


Emotionale Fantasygeschichte mit Dark-Academia-Flair

Manchmal reicht ein einziger Blick auf ein Cover – und man weiß: Dieses Buch ruft nach einem. Genau so ging es mir mit ‚The Cursed Melodies’ von Connie Glynn. Düster, geheimnisvoll, ein Hauch von Dark Academia, dazu das Versprechen wilder Magie und leiser Romantik. Der Klappentext tat sein Übriges. Ich wollte eintauchen. Und zwar sofort.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Astrid und Jonas. Zwei junge Menschen, die schon früh gespürt haben, dass sie anders sind. Blumen flüstern ihnen Anweisungen zu, Bäume singen von ihrer Geschichte. Ihre Wahrnehmung der Welt ist durchzogen von Melodien und Stimmen, die sonst niemand hört. Was für Außenstehende verstörend wirkt, ist für sie Realität – eine Realität, die sie isoliert hat. Therapie, Ausgrenzung, dieses ständige Gefühl, nicht dazuzugehören. Ihre enge Bindung zueinander ist ihr Halt in einer Welt, die sie nicht versteht.

Dann ist da Gwen. Sie kennt die Gesellschaft für Magische Studien, sie weiß um die magischen Melodien und das fragile Gleichgewicht der Welt. Und doch scheitert sie ausgerechnet an ihrer eigenen Magie. Ihre Unsicherheit, ihre Angst vor dem, was in ihr schlummert, machen sie zu einer Figur, die ebenso stark wie verletzlich wirkt. Als sich ihre Wege kreuzen, entsteht ein ungewöhnliches Trio – verbunden durch Geheimnisse, Zweifel und den Wunsch, endlich Antworten zu finden.

Was mich besonders angesprochen hat, ist die Art, wie Magie hier dargestellt wird. Sie ist nicht nur Mittel zum Zweck, kein bloßes Spektakel. Sie ist verwoben mit Natur, Klang und Emotion. Sie fühlt sich organisch an, fast poetisch. Das Worldbuilding ist dicht, atmosphärisch und stellenweise beklemmend. Dunkle Schatten ziehen sich durch die Geschichte, ein mysteriöses Übel stört das Gleichgewicht – und die Bedrohung wächst leise, aber spürbar.

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, was der Geschichte Tiefe verleiht und einen guten Überblick über die Geschehnisse schafft. Der Schreibstil ist bildgewaltig, fast schon filmisch. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen: Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen gepackt. Es gibt Momente, in denen sich die Handlung etwas zieht. Doch selbst dann blieb die Grundidee stark genug, um mich weiterlesen zu lassen.

Besonders schön finde ich die selbstverständliche Queerness der Figuren. Sie wird nicht problematisiert, nicht erklärt, nicht dramatisiert – sie ist einfach da. Und genau das fühlt sich richtig und zeitgemäß an.

The Cursed Melodies’ ist eine düstere, emotionale Fantasygeschichte mit Dark-Academia-Flair, Chosen-Family-Vibes und einer leisen Slow-Burn-Romance. Kein lautes Spektakel, sondern eine Geschichte, die sich entfaltet, Schicht für Schicht. Wer atmosphärische Magie, komplexe Figuren und ein wenig Schatten liebt, sollte hier unbedingt einen Blick hineinwerfen. Ich jedenfalls bin neugierig auf die Fortsetzung.


Glutenfrei backen

Als wir angefangen haben, uns ernsthaft mit dem Thema glutenfrei zu beschäftigen, war ziemlich schnell klar: Wir brauchen mehr als ein paar abgespeicherte Rezepte und „wird schon irgendwie“-Mut. Wir brauchten ein Buch, das uns an die Hand nimmt. Eins, das nicht nur erklärt, was man glutenfrei backen kann, sondern vor allem wie es wirklich gut wird – ohne das Gefühl, ständig Kompromisse zu machen.

So sind wir relativ schnell bei Jörg Hecker gelandet. Sein Name tauchte immer wieder auf, wenn es um glutenfreies Backen ging, und irgendwann war klar: Das schauen wir uns genauer an. Und ich kann schon vorwegnehmen: ‚Natürlich glutenfrei backen – glutenfrei durch die Jahreszeiten‘ hat uns wirklich abgeholt.

Was dieses Buch für mich besonders macht, ist die Haltung dahinter. Hier geht es nicht um schnelle Fertigmischungen und „Hauptsache irgendwie brotig“. Jörg Hecker ist Konditormeister – und genau das merkt man. Die Rezepte sind durchdacht, sauber aufgebaut und haben diesen Anspruch, den man sich wünscht, wenn man plötzlich auf glutenfrei angewiesen ist: Es soll nicht nur funktionieren, es soll schmecken. Und zwar richtig.

Sehr hilfreich fanden wir auch den Fokus auf selbst gemischte Mehlkombinationen. Anfangs wirkt das vielleicht ein bisschen wie ein kleines Nebenfachstudium („Wie viele Mehlsorten kann ein Haushalt eigentlich besitzen?“), aber genau hier liegt der Schlüssel. Hecker arbeitet mit hochwertigen Mehlen wie Vollkornreis und Buchweizen, setzt auf Bindemittel wie Flohsamenschalen und verzichtet bewusst auf Maismehl, was für viele ein Pluspunkt ist. Dadurch entstehen Teige, die nicht nur zusammenhalten, sondern auch eine Textur bekommen, die man von glutenfrei oft erst einmal nicht erwartet.

Das Buch ist außerdem wunderbar saisonal aufgebaut. Es begleitet durch alle Jahreszeiten und liefert genau die Rezepte, nach denen man in der jeweiligen Zeit wirklich greift: Brötchen und Frühstücksideen, fruchtige Kuchen im Sommer, herzhafte Brote für die kühleren Monate und natürlich auch festliches Gebäck für die Weihnachtszeit. Ich mag solche Bücher, die sich anfühlen, als würden sie mit dem eigenen Alltag mitlaufen.

Ein weiteres Highlight: Die vielen Alternativen. Rezepte sind als milchfrei, eifrei, vegan oder histaminarm gekennzeichnet, und es wird transparent erklärt, wie man Zutaten austauschen kann. Gerade wenn bei Familien mehr als eine Unverträglichkeit im Raum steht, ist das unglaublich hilfreich. Man hat nicht das Gefühl, ständig an Grenzen zu stoßen, sondern bekommt Lösungen an die Hand.

Die Anleitungen sind Schritt für Schritt erklärt und gut verständlich – auch für Anfänger. Gleichzeitig sind sie nicht „zu simpel“, sondern lassen Raum, dazuzulernen. Und genau das ist es, was wir gerade brauchen: eine verlässliche Basis, auf der man aufbauen kann. Dazu kommen stimmungsvolle Fotos, die nicht nur hübsch aussehen, sondern wirklich Lust machen, direkt loszulegen.

Wir haben inzwischen schon einige Rezepte ausprobiert – und ja, wir sind absolut begeistert. Es ist genau dieses Gefühl: glutenfrei, aber ohne Verzicht. Mit Genuss. Mit Stolz auf das, was aus dem Ofen kommt. Und mit dem guten Gedanken, dass wir nicht nur „irgendwas“ ersetzen, sondern unser eigenes neues Backrepertoire aufbauen.

Für uns ist dieses Buch ein echter Glücksgriff. Ein Backbuch, das nicht nur Rezepte liefert, sondern Vertrauen. Und das ist, gerade am Anfang eines glutenfreien Weges, manchmal fast genauso wichtig wie das perfekte Brot.


Comics sind cool…

Kennt ihr das noch? Früher musste man Bücher lesen, ob man wollte oder nicht. Es wurde durchgehalten, durchgekämpft, durchgeblättert – manchmal mehr mit Seufzen als mit Begeisterung. Zum Glück hat sich da einiges verändert. Heute dürfen Bücher Spaß machen. Sie dürfen anders aussehen. Sie dürfen bunt, laut, kreativ und voller Sprechblasen sein. Und genau so ein Buch ist ‚Der Comic-Club‘ von Scott McCloud, illustriert von Raina Telgemeier.

Mein neunjähriger Sohn – grundsätzlich eher Team „Ich lese, wenn es sich lohnt“ – hat dieses Buch aufgeschlagen … und dann einfach nicht mehr aufgehört. Kein Erinnern, kein „Lies doch noch ein Kapitel“, kein Diskutieren. Er war drin. Komplett. Und als er fertig war, kam nur ein klares Urteil: „Fünf von fünf Sternen.“ Direkt danach saß er am Tisch und begann, seinen eigenen Comic zu zeichnen. Wenn ein Buch das schafft, dann hat es alles richtig gemacht.

In ‚Der Comic-Club’ geht es um vier sehr unterschiedliche Kinder: Makayla, die vor Ideen nur so sprudelt, Howard, der leidenschaftlich zeichnet, aber zu Hause wenig Unterstützung bekommt, Lynda, die in ihrem Perfektionismus gefangen ist, und Art, der einfach drauflos kreativ sein will. Gemeinsam gründen sie einen Comic-Künstler-Club – und entdecken dabei nicht nur, wie man Comics entwickelt, sondern auch, wie man über sich hinauswächst.

Was ich besonders schön finde: Es geht hier nicht nur ums Zeichnen. Es geht um Ausdruck. Um Körpersprache, Mimik, Perspektiven. Um die Frage, wie Geschichten entstehen. Und ganz nebenbei um Selbstzweifel, Mut, Freundschaft und darum, seine eigene Stimme zu finden. Das alles verpackt in einer lockeren, humorvollen, zugänglichen Form.

Manche würden vielleicht sagen: „Ist ja nur ein Comic.“ Aber ganz ehrlich? Comics sind Lesen. Punkt. Und dieser hier ist viel mehr als das. Er hat Tiefgang, Herz und Humor. Die Dialoge sind lebendig, stellenweise richtig witzig, und der Leser wird immer wieder direkt angesprochen. Man fühlt sich mittendrin im Club.

Durch den überschaubaren Textanteil ist das Buch auch ideal für Kinder, die sich sonst mit längeren Texten schwertun. Die Zeichnungen tragen die Geschichte, ohne oberflächlich zu sein. Es ist leicht zugänglich – und trotzdem inhaltlich stark.

Für uns ist ‚Der Comic-Club‘ ein Volltreffer. Mein Sohn war begeistert. Ich war positiv überrascht. Und wir beide würden uns riesig über eine Fortsetzung freuen. Denn wenn Lesen so viel Freude macht, darf es davon gern mehr geben.


Ostern naht

Was gehört zum Frühling dazu wie ein Frühblüher? Natürlich ein Osterbuch. Kaum zeigen sich die ersten Knospen, kaum liegt dieses besondere Licht in der Luft, wächst auch die Lust auf Geschichten, die nach Neubeginn, Wärme und ein bisschen Zauber duften. Genau so ein Buch ist ‚Das EiHörnchen‘.

‚Das EiHörnchen‘ von Miriam Mann, illustriert von Gabriele Tafuni

Im Mittelpunkt steht Ella Eichhörnchen – die beste Versteckfinderin im ganzen Wald. Wirklich, niemand entdeckt bessere Geheimverstecke als sie. Das kleine Problem: Sie erinnert sich später leider nie daran, wo sie ihre Nüsse eigentlich versteckt hat. Als sie im Frühling loszieht, um Frühstück für ihre Familie zu sammeln, passiert genau das wieder. Zwischen Bäumen, Blüten und Vogelgezwitscher verliert sie nicht nur ihre Vorräte, sondern auch die Orientierung. Plötzlich ist sie allein – und der Wald wirkt viel größer als sonst.

Zum Glück begegnet sie dem kleinen Hasen Otto, einem Osterhasenschüler, der sich im Wald bestens auskennt. Und hier beginnt das eigentliche Herz dieser Geschichte. Denn was zunächst wie eine Schwäche wirkt – Ellas Vergesslichkeit – entpuppt sich als ungeahnte Stärke. Gemeinsam entdecken die beiden, dass Ellas Kletterkünste und ihr Talent für gute Verstecke sie zur perfekten Helferin für das Eierverstecken machen. Und so wird aus dem vergesslichen Eichhörnchen das allererste EiHörnchen.

Ich liebe solche Geschichten. Leise, warmherzig und mit einer Botschaft, die sich ganz sanft zwischen die Zeilen legt: Jeder hat seine Stärken. Manchmal braucht es nur die richtige Perspektive – oder einen Freund, der einem hilft, sie zu erkennen. Gerade für Kinder ab drei Jahren ist das eine wunderschöne, stärkende Botschaft.

Die Illustrationen tragen ihren Teil dazu bei. Pastellige Frühlingsfarben, blühende Bäume, liebevoll gezeichnete Tierfiguren – jede Seite strahlt Wärme aus. Man möchte fast selbst durch diesen Wald spazieren, die Kirschblüten betrachten und tief die Frühlingsluft einatmen. Die Bilder laden zum Verweilen ein und machen das Buch zu einem echten Vorlese-Wohlfühlmoment.

Das EiHörnchen‘ ist für mich ein kleines, feines Osterbuch mit großem Herzen. Eine Geschichte über Freundschaft, Selbstvertrauen und das Entdecken der eigenen Stärken. Perfekt fürs Osternest – und für alle, die sich ein bisschen Frühling ins Herz holen möchten.


Der Zöliakie-Pass

Und dann – endlich – halten wir ihn in den Händen: unseren Zöliakie-Pass.

Ein kleines Dokument. So unscheinbar. Und doch fühlt es sich ein bisschen an wie ein offizieller Stempel auf unserer neuen Realität. „Ja, das ist jetzt so. Und ja, wir gehören jetzt dazu.“

Ich bin ehrlich gespannt, wofür dieser Pass in Zukunft alles gut sein wird. Natürlich ist er in erster Linie medizinisch gedacht. Darin sollen ab jetzt die Kontrollen, Werte und Fortschritte festgehalten werden. Ein Überblick über die Entwicklung. Ein Stück Struktur in dieser doch noch recht neuen Welt für uns.

Aber ich hoffe auf mehr.

Ich hoffe auf Erleichterung.

Auf Verständnis.

Auf weniger Diskussionen.

Denn nicht überall darf man einfach sein eigenes Essen mitbringen. Nicht in jedem Freizeitpark. Nicht in jeder Einrichtung. Nicht bei jeder Veranstaltung. Und vielleicht – so hoffe ich – hilft dieser Pass, wenn man erklären muss, warum das eigene Brot eben kein „Spleen“, sondern medizinische Notwendigkeit ist.

Es wäre schön, wenn man ihn einfach zeigen könnte und damit wäre alles gesagt.

Gleichzeitig ist er für uns auch ein Symbol. Ein Zeichen dafür, dass wir jetzt offiziell diesen Weg gehen. Dass wir nicht mehr nur „am Ausprobieren“ sind, sondern angekommen sind in einer neuen Normalität. Glutenfrei ist kein Trend. Kein Experiment. Sondern unser Alltag.

Ich bin neugierig, wie sich das alles entwickeln wird. Wie die nächsten Kontrolltermine laufen. Welche Fortschritte wir sehen. Wie routiniert wir irgendwann mit all dem umgehen werden.

Noch ist vieles neu. Noch sind wir am Lernen. Aber mit diesem kleinen Pass in der Hand fühlt es sich ein bisschen strukturierter an. Ein bisschen greifbarer.

Und vielleicht auch ein kleines Stück sicherer.