Manchmal reicht ein einziger Blick auf ein Cover – und man weiß: Dieses Buch ruft nach einem. Genau so ging es mir mit ‚The Cursed Melodies’ von Connie Glynn. Düster, geheimnisvoll, ein Hauch von Dark Academia, dazu das Versprechen wilder Magie und leiser Romantik. Der Klappentext tat sein Übriges. Ich wollte eintauchen. Und zwar sofort.
Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Astrid und Jonas. Zwei junge Menschen, die schon früh gespürt haben, dass sie anders sind. Blumen flüstern ihnen Anweisungen zu, Bäume singen von ihrer Geschichte. Ihre Wahrnehmung der Welt ist durchzogen von Melodien und Stimmen, die sonst niemand hört. Was für Außenstehende verstörend wirkt, ist für sie Realität – eine Realität, die sie isoliert hat. Therapie, Ausgrenzung, dieses ständige Gefühl, nicht dazuzugehören. Ihre enge Bindung zueinander ist ihr Halt in einer Welt, die sie nicht versteht.
Dann ist da Gwen. Sie kennt die Gesellschaft für Magische Studien, sie weiß um die magischen Melodien und das fragile Gleichgewicht der Welt. Und doch scheitert sie ausgerechnet an ihrer eigenen Magie. Ihre Unsicherheit, ihre Angst vor dem, was in ihr schlummert, machen sie zu einer Figur, die ebenso stark wie verletzlich wirkt. Als sich ihre Wege kreuzen, entsteht ein ungewöhnliches Trio – verbunden durch Geheimnisse, Zweifel und den Wunsch, endlich Antworten zu finden.
Was mich besonders angesprochen hat, ist die Art, wie Magie hier dargestellt wird. Sie ist nicht nur Mittel zum Zweck, kein bloßes Spektakel. Sie ist verwoben mit Natur, Klang und Emotion. Sie fühlt sich organisch an, fast poetisch. Das Worldbuilding ist dicht, atmosphärisch und stellenweise beklemmend. Dunkle Schatten ziehen sich durch die Geschichte, ein mysteriöses Übel stört das Gleichgewicht – und die Bedrohung wächst leise, aber spürbar.
Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, was der Geschichte Tiefe verleiht und einen guten Überblick über die Geschehnisse schafft. Der Schreibstil ist bildgewaltig, fast schon filmisch. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen: Nicht jede Passage hat mich gleichermaßen gepackt. Es gibt Momente, in denen sich die Handlung etwas zieht. Doch selbst dann blieb die Grundidee stark genug, um mich weiterlesen zu lassen.
Besonders schön finde ich die selbstverständliche Queerness der Figuren. Sie wird nicht problematisiert, nicht erklärt, nicht dramatisiert – sie ist einfach da. Und genau das fühlt sich richtig und zeitgemäß an.
‚The Cursed Melodies’ ist eine düstere, emotionale Fantasygeschichte mit Dark-Academia-Flair, Chosen-Family-Vibes und einer leisen Slow-Burn-Romance. Kein lautes Spektakel, sondern eine Geschichte, die sich entfaltet, Schicht für Schicht. Wer atmosphärische Magie, komplexe Figuren und ein wenig Schatten liebt, sollte hier unbedingt einen Blick hineinwerfen. Ich jedenfalls bin neugierig auf die Fortsetzung.









