Es gibt Bücher, die liest man alleine. Und dann gibt es Reihen, über die man sich gemeinsam freut, gemeinsam spekuliert und nach jedem Band sofort wissen möchte, wie es weitergeht.
„Stadt der Magier“ von Judith Mohr gehört bei uns definitiv zur zweiten Kategorie.
Mein großer Sohn (9) und ich lieben diese Reihe. Es ist inzwischen fast schon eine kleine Tradition geworden: Sobald ein neuer Band erscheint, wird gemeinsam gerätselt, was Cor wohl als Nächstes erleben wird, welche Geheimnisse noch ans Licht kommen und welche neuen Figuren uns begegnen. Genau deshalb war die Vorfreude auf „Stadt der Hexer und Betrüger“ riesig.
Zurück in eine Welt voller Magie
Cor und Ro versuchen sich nach den vergangenen Ereignissen in Granadis ein neues Leben aufzubauen. Doch lange bleibt es nicht ruhig.
Magier Jonathan Fossell nimmt zwei neue Schüler bei sich auf. Tibbs und Lyn besitzen ebenfalls magische Fähigkeiten und sollen von ihm ausgebildet werden. Doch bevor der Unterricht überhaupt richtig beginnen kann, gerät Jonathan in Brugent mitten in eine gefährliche Verschwörung.
Natürlich bleibt ihm nichts anderes übrig, als Cor und Ro um Hilfe zu bitten.
Gemeinsam machen sie sich daran, den rätselhaften Ereignissen auf den Grund zu gehen. Doch schnell wird klar, dass sie es diesmal mit Gegnern zu tun haben, die gefährlicher sind als alles, was ihnen bisher begegnet ist.
Hexer.
Skrupellos, mächtig und bereit, für ihre Ziele über jede Grenze zu gehen.
Jonathan Fossell rückt endlich in den Mittelpunkt
Was mir an diesem Band besonders gut gefallen hat, ist die neue Perspektive.
Nachdem der zweite Band überwiegend aus Ros Sicht erzählt wurde, wechseln sich diesmal Cor und Jonathan Fossell als Erzähler ab. Das bringt unglaublich viel frischen Wind in die Geschichte.
Jonathan gehört schon seit Beginn der Reihe zu meinen Lieblingsfiguren. Gerade deshalb fand ich es ein wenig schade, dass er im zweiten Band eher im Hintergrund geblieben ist.
Umso schöner war es jetzt, endlich mehr über ihn zu erfahren.
Seine Gedanken, seine Vergangenheit und seine Gefühle machen ihn als Figur noch greifbarer. Man versteht plötzlich viele seiner Entscheidungen viel besser und merkt, wie viel Tiefe Judith Mohr ihren Figuren mitgibt.
Natürlich habe ich auch Cors Kapitel wieder unglaublich gerne gelesen. Seine Entwicklung über die gesamte Reihe hinweg ist wirklich gelungen und ich mag, dass er nicht der perfekte Held ist, sondern immer wieder an seinen Aufgaben wächst.
Alte Bekannte und spannende neue Figuren
Ein weiterer Grund, warum ich diese Reihe so gerne lese, sind die Charaktere.
Egal ob Cor, Ro, Jonathan oder die neuen Figuren Tibbs und Lyn – niemand wirkt austauschbar.
Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, jeder hat Stärken und Schwächen und genau dadurch fühlen sich die Figuren lebendig an.
Auch Tibbs und Lyn fügen sich wunderbar in die Geschichte ein. Ich bin schon jetzt gespannt, welche Rolle sie in den kommenden Bänden noch spielen werden.
Eine Welt, in der man sich sofort wieder zuhause fühlt
Sobald ich die ersten Seiten gelesen hatte, war ich sofort wieder mittendrin.
Judith Mohr schafft es jedes Mal aufs Neue, ihre magische Welt so lebendig zu beschreiben, dass man das Gefühl hat, selbst durch Granadis und Brugent zu laufen.
Die Magie wirkt nie überladen, sondern fügt sich ganz selbstverständlich in die Geschichte ein. Dazu kommen Geheimnisse, Intrigen und immer wieder unerwartete Wendungen, die dafür sorgen, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann.
Auch die kleine Prise Romantik gefällt mir nach wie vor sehr gut. Sie drängt sich nie in den Vordergrund, sondern ergänzt die Geschichte genau in dem richtigen Maß.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt
Wenn ich die drei bisherigen Bände miteinander vergleiche, dann fand ich diesen hier einen kleinen Tick ruhiger.
Mir persönlich hätten ein paar mehr actionreiche Szenen gefallen. Die ersten beiden Bände haben mich stellenweise noch etwas mehr mitgerissen.
Das bedeutet aber keineswegs, dass dieser Band schwach ist.
Ganz im Gegenteil.
Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen und wollte ständig wissen, wie es weitergeht. Judith Mohr besitzt einfach einen Schreibstil, der unglaublich angenehm zu lesen ist. Die Seiten fliegen nur so dahin und ehe man sich versieht, ist das Buch schon wieder zu Ende.
„Stadt der Hexer und Betrüger“ ist wieder eine wunderschöne Fortsetzung einer Reihe, die ich jedem Fantasy-Fan ans Herz legen kann.
Besonders schön finde ich, dass diese Bücher nicht nur Jugendliche begeistern. Auch ich habe jede Seite genossen und genau das macht gute Jugendfantasy für mich aus: Sie erzählt eine Geschichte, die unabhängig vom Alter fesselt.
Ja, für mich reicht dieser Band nicht ganz an die beiden Vorgänger heran. Trotzdem steckt er voller Magie, spannender Geheimnisse, liebgewonnener Figuren und einer Welt, in die ich jederzeit wieder zurückkehren möchte.
Und das Beste?
Mein Sohn und ich sind uns diesmal tatsächlich einig: Wir können es kaum erwarten, bis der vierte Band erscheint. Denn eines steht fest – unser gemeinsames Abenteuer in der Welt von Cor, Ro und Jonathan ist noch lange nicht vorbei.




