Es gibt Kinder, die lesen Bücher einfach so weg. Und dann gibt es Kinder, für die Lesen eine echte Herausforderung ist. Kein Spaß, keine Entspannung – sondern Anstrengung, Frust und oft auch ein Gefühl von „Ich kann das nicht“.
Unser mittlerer Sohn gehört genau in diese zweite Kategorie.
Lesen fällt ihm unfassbar schwer. Buchstaben zu Wörtern zusammensetzen, den Sinn erfassen, dabei noch flüssig bleiben – das ist für ihn kein Selbstläufer. Und so sieht er auch nicht die Vorteile, die wir als Erwachsene sofort im Kopf haben. Er sieht nicht die Geschichten, die Abenteuer, die Möglichkeiten. Er sieht nur: Es ist schwer.
Und seine logische Konsequenz daraus ist: Dann lese ich eben nicht.
Ganz ehrlich? Ich kann ihn verstehen.
Denn Druck bringt hier gar nichts. Im Gegenteil. Je mehr man drängt, desto größer wird die Blockade. Was es braucht, ist etwas anderes. Motivation. Leichtigkeit. Und vor allem: das richtige Buch.
Und genau hier kam Fußball Academy: Ein besonderes Training von Irene Margil, illustriert von Jan Saße, ins Spiel.
Fußball ist sein Thema. Da ist sofort Interesse da. Und genau das war der erste Schlüssel.
Der zweite: die Aufmachung.
Keine endlosen Textblöcke, keine komplizierten Sätze, die einen direkt überfordern. Stattdessen kurze, einfache Sätze, große Schrift und viele Bilder. Ein Kindercomic, der genau da ansetzt, wo Lesenlernen oft schwierig wird.
Und plötzlich passiert etwas, womit wir ehrlich gesagt gar nicht gerechnet haben.
Er liest.
Nicht perfekt. Nicht flüssig. Aber freiwillig.
Und das ist ein riesiger Unterschied.
Die Geschichte selbst passt dabei einfach perfekt: Ein Fußballteam, das eine heftige Niederlage einstecken muss. Frust, Streit, jeder schiebt die Schuld auf den anderen. Die Stimmung ist im Keller. Und dann kommt ein ungewöhnlicher Trainingsplan: Jeder soll genau das trainieren, was er nicht kann.
Fiete schießt plötzlich mit dem schwachen Fuß. Maria läuft rückwärts. Yao übt hohe Bälle. Und Stück für Stück werden alle besser.
Was mich dabei besonders berührt hat: Diese Geschichte ist so viel mehr als nur Fußball. Sie spiegelt genau das wider, was wir gerade beim Lesen erleben.
Man muss nicht alles sofort können.
Man darf Fehler machen.
Und Fortschritt passiert Schritt für Schritt.
Für meinen Sohn war das greifbar. Verständlich. Nah an seiner eigenen Welt.
Und genau das hat den Unterschied gemacht.
Er hat sich nicht überfordert gefühlt. Sondern abgeholt.
Nicht unter Druck gesetzt. Sondern motiviert.
Und ich habe gemerkt: Es geht nicht darum, dass ein Kind liest. Sondern wie es den Zugang dazu findet.
Dieses Buch war für uns kein „Jetzt ist alles gelöst“. Aber es war ein Anfang. Ein Türöffner.
Und manchmal ist genau das das Wichtigste.
Heute greifen wir bewusster zu Büchern, die ihn interessieren. Die ihm Erfolgserlebnisse geben. Die zeigen: Lesen kann auch leicht sein. Lesen kann Spaß machen.
Und vielleicht – ganz vielleicht – wächst daraus irgendwann die Freude am Lesen, die wir uns so sehr wünschen.
Für uns war Fußball Academy genau das, was wir gebraucht haben.
Ein Buch, das nicht überfordert, sondern begleitet.
Ein Buch, das motiviert, statt Druck zu machen.
Und ein Buch, das zeigt: Jeder fängt irgendwo an. ⚽📚








