Bei den aktuellen Temperaturen in Deutschland passt dieses Buch einfach wie die Faust aufs Auge. Während draußen die Sonne vom Himmel brennt und der nächste Besuch im Freibad oder am Badesee geplant wird, nimmt uns „Die Schule der magischen Tiere – Nass und nasser!“ mit genau dorthin. Sommer, Sonne, Schwimmbad – das klingt nach jeder Menge Spaß. Doch wie so oft steckt hinter der fröhlichen Sommerkulisse viel mehr als nur Planschen und Eis essen.
Genau das liebe ich an der Reihe rund um die Wintersteinschule. Die Geschichten sind leicht und unterhaltsam, greifen aber gleichzeitig Themen auf, die viele Kinder aus ihrem eigenen Alltag kennen. Es geht nicht nur um die magischen Tiere, sondern vor allem um Gefühle, Ängste, Freundschaft und darum, über sich selbst hinauszuwachsen.
In diesem Band steht unter anderem Hatice im Mittelpunkt. Während sich ihre Klassenkameradinnen und Klassenkameraden riesig auf die Zeit im Schwimmbad freuen, ist ihr überhaupt nicht zum Lachen zumute. Sie hat große Angst vor dem Wasser. Allein der Gedanke daran, das Seepferdchen machen zu müssen, setzt sie unter Druck. Ich glaube, viele Kinder können sich in Hatice wiederfinden. Nicht jeder fühlt sich im Wasser sofort wohl und gerade wenn andere scheinbar mutig ins Becken springen, entstehen schnell Unsicherheiten.
Besonders schön fand ich, wie sensibel Margit Auer dieses Thema erzählt. Hatices Angst wird nicht belächelt oder klein geredet. Stattdessen wird gezeigt, dass Ängste völlig normal sind und jeder sein eigenes Tempo hat. Natürlich wäre die Wintersteinschule nicht die Wintersteinschule, wenn dabei nicht auch die magischen Tiere ihre ganz eigene Art hätten, Mut zu machen. Gerade diese Mischung aus Fantasie und echten Alltagssituationen macht die Reihe seit Jahren so beliebt.
Doch nicht nur Hatice beschäftigt etwas. Auch Henry trägt eine große Sorge mit sich herum. Seine Eltern möchten ihn auf ein Internat schicken – eine Vorstellung, die ihn völlig überfordert. Aus Angst und Verzweiflung läuft er kurzerhand von zu Hause weg und findet sich plötzlich allein im Wald wieder. Diese Handlung sorgt noch einmal für eine ganz andere Spannung innerhalb der Geschichte. Während Hatices Geschichte eher leise und gefühlvoll erzählt wird, bringt Henrys Abenteuer Nervenkitzel und zeigt gleichzeitig, wie wichtig Vertrauen und Hilfe sind, wenn man nicht mehr weiterweiß.
Gerade diese beiden Erzählstränge ergänzen sich wunderbar. Beide Kinder stehen vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen und doch verbindet sie etwas: Sie müssen lernen, ihren Ängsten nicht die Kontrolle über ihr Leben zu überlassen. Dabei geht es nicht darum, plötzlich furchtlos zu sein. Vielmehr zeigt das Buch, dass Mut oft in kleinen Schritten entsteht und dass man schwierige Situationen leichter bewältigen kann, wenn man Menschen – oder eben magische Tiere – an seiner Seite hat.
Wie gewohnt überzeugt auch dieser Band wieder mit dem lockeren Schreibstil von Margit Auer. Die Kapitel sind angenehm kurz, sodass sich das Buch wunderbar zum Vorlesen eignet, aber auch Kinder, die bereits selbst lesen, schnell Erfolgserlebnisse haben. Die Geschichte bleibt durchgehend spannend, ohne dabei zu überfordern. Immer wieder wechseln sich humorvolle Momente mit nachdenklichen Szenen ab, wodurch beim Lesen nie Langeweile aufkommt.
Besonders gut gefallen hat uns auch die liebevoll gestaltete Neuausgabe. Die vielen neuen Illustrationen der Farbfüchse lockern den Text wunderbar auf und verleihen den Figuren noch mehr Leben. Gerade Kinder, die sich mit längeren Texten noch schwertun, profitieren von den Bildern, weil sie das Gelesene zusätzlich unterstützen und die Geschichte noch greifbarer machen.
Ein echtes Highlight sind außerdem die Extras am Anfang und Ende des Buches. Die Steckbriefe der Kinder und ihrer magischen Tiere helfen dabei, den Überblick zu behalten – besonders für neue Leserinnen und Leser, die vielleicht noch nicht alle Figuren kennen. Das persönliche Nachwort von Margit Auer rundet das Buch schließlich sehr schön ab und gibt den Geschichten noch eine ganz persönliche Note.
Was die Reihe für mich insgesamt so besonders macht, ist ihre Fähigkeit, alltägliche Probleme ernst zu nehmen, ohne dabei schwer zu wirken. Freundschaft, Zusammenhalt, Mut und gegenseitige Unterstützung ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Bände. Kinder erleben spannende Abenteuer und nehmen dabei ganz nebenbei wichtige Botschaften mit, ohne dass diese jemals belehrend wirken.
Gerade jetzt im Sommer macht „Nass und nasser!“ besonders viel Freude. Während draußen vielleicht schon der nächste Freibadbesuch wartet, können Kinder gemeinsam mit der Klasse von Miss Cornfield ins Wasser springen, mitfiebern und erleben, dass jeder seine eigenen kleinen und großen Herausforderungen meistern muss.
„Die Schule der magischen Tiere – Nass und nasser!“ ist ein rundum gelungenes Sommerabenteuer voller Herz, Humor und wichtiger Botschaften. Die Geschichte verbindet spannende Erlebnisse mit Themen wie Angst, Selbstvertrauen, Freundschaft und Zusammenhalt und zeigt Kindern auf einfühlsame Weise, dass niemand mit seinen Sorgen allein ist.
Die liebevoll gestaltete Neuausgabe mit ihren vielen Illustrationen und Extras macht den beliebten Band noch einmal zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. Ein wunderbares Kinderbuch für warme Sommertage – zum Vorlesen, Selberlesen und natürlich für alle großen und kleinen Fans der magischen Tiere.




