Es gibt Reihen, die begleiten einen über viele Jahre. Man fiebert jedem neuen Band entgegen, freut sich über bekannte Figuren und hat das Gefühl, nach Hause zu kommen, sobald man die ersten Seiten aufschlägt. Genau so geht es meinem großen Sohn und mir mit der Welt von Percy Jackson.
Gemeinsam haben wir schon viele Abenteuer in der griechischen Mythologie erlebt und als wir den ersten Band rund um Nico und Will gelesen hatten, war für uns sofort klar: Diese beiden brauchen unbedingt noch mehr Geschichten. Umso größer war die Vorfreude auf „Nico und Will – Das Gericht der Toten“.
Und was soll ich sagen? Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen.
Diesmal führt uns die Geschichte ins römische Camp Jupiter. Schon das fand ich unglaublich spannend, denn bisher spielte sich vieles rund um Camp Half-Blood ab. Es war schön, endlich einmal die römische Seite dieser faszinierenden Welt näher kennenzulernen. Trotzdem kommen auch die griechischen Mythen natürlich nicht zu kurz und genau diese Mischung macht den besonderen Reiz der Geschichte aus.
Ausgangspunkt der Handlung ist ein Hilferuf von Hazel. Immer mehr Wesen aus der Unterwelt suchen Zuflucht im Camp Jupiter. Sie möchten nicht länger als Monster angesehen werden. Sie wünschen sich einen Neuanfang und wollen einfach nur in Frieden leben. Deshalb nennen sie sich lieber Mythenwesen.
Allein diese Idee hat uns beim Lesen sofort beschäftigt.
Denn eigentlich stellt das Buch eine Frage, über die wir auch nach dem Zuklappen noch gesprochen haben: Wer entscheidet eigentlich, wer ein Monster ist?
Kann jemand seine Vergangenheit hinter sich lassen?
Verdient jeder eine zweite Chance?
Ich finde es beeindruckend, wie Rick Riordan und Mark Oshiro solche Themen in eine spannende Fantasygeschichte einbauen, ohne dass sie sich schwer oder belehrend anfühlen.
Natürlich bleibt es nicht bei diesen Fragen.
Schon bald verschwinden immer mehr Mythenwesen spurlos und Nico, Will und Hazel geraten mitten in ein gefährliches Abenteuer. Die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und überrascht immer wieder mit Wendungen, die wir so nicht kommen gesehen haben. Gerade gegen Ende konnten wir das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Besonders schön fand ich erneut die Beziehung zwischen Nico und Will.
Die beiden ergänzen sich einfach wunderbar. Sie wirken nie aufgesetzt oder künstlich, sondern wie zwei Menschen, die sich wirklich kennen, sich gegenseitig unterstützen und auch in schwierigen Situationen füreinander da sind. Genau das macht sie für mich zu einem der sympathischsten Duos im gesamten Percy-Jackson-Universum.
Auch Hazel spielt in diesem Band eine wichtige Rolle und ich habe mich sehr gefreut, sie wiederzusehen. Überhaupt schafft es die Geschichte, alten Bekannten ausreichend Raum zu geben und gleichzeitig neue Figuren einzubauen, die neugierig auf weitere Abenteuer machen.
Was Rick Riordan für mich seit jeher besonders macht, ist sein Humor. Selbst in gefährlichen Situationen gibt es immer wieder trockene Kommentare oder herrlich schräge Momente, die einen zum Schmunzeln bringen. Genau dieser lockere Ton sorgt dafür, dass die Geschichte trotz aller Spannung nie zu düster wird.
Auch der Schreibstil hat uns wieder begeistert. Bildhaft, flüssig und voller Atmosphäre fliegt man förmlich durch die Seiten. Mein Sohn wollte oft noch “ein Kapitel mehr” lesen und ich muss zugeben, dass ich genauso wenig aufhören wollte. Genau das zeichnet für mich ein richtig gutes Jugendbuch aus.
Besonders gefallen hat mir außerdem, dass die Figuren so unterschiedlich sind. Niemand wirkt perfekt und gerade dadurch fühlen sie sich echt an. Jeder bringt seine eigene Geschichte, seine Stärken und seine Zweifel mit. Das macht sie unglaublich greifbar und sorgt dafür, dass man mit ihnen mitfiebert.
Auch die zahlreichen Plot-Twists haben uns überrascht. Immer wenn wir dachten, jetzt zu wissen, wohin die Geschichte führt, kam wieder eine neue Wendung. Das Finale hat dann noch einmal ordentlich Spannung aufgebaut und macht definitiv Lust auf mehr.
Für meinen Sohn war das Buch eines der bisherigen Highlights aus dem Percy-Jackson-Universum. Und ehrlich gesagt kann ich ihm da nur zustimmen.
„Nico und Will – Das Gericht der Toten“ ist eine fantastische Fortsetzung voller Spannung, Humor, Mythologie und wichtiger Fragen über Vorurteile, Gerechtigkeit und zweite Chancen. Das Buch verbindet rasante Action mit emotionalen Momenten und liebenswerten Figuren und zeigt einmal mehr, warum Rick Riordans Geschichten seit Jahren so viele Leser begeistern.
Wer den ersten Band geliebt hat, wird auch diese Fortsetzung verschlingen. Für meinen Sohn und mich war es ein echtes Highlight und eine wunderbare Rückkehr in eine Welt, in der es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Von uns gibt es deshalb eine ganz klare Leseempfehlung – nicht nur für Fans von Percy Jackson, sondern für alle, die spannende Fantasy mit viel Herz und Humor lieben.



