Es gibt Themen, die begleiten jede Familie irgendwann.
Bei uns sind es gerade die Wackelzähne. Während unser Siebenjähriger schon einige Besuche der Zahnfee erlebt hat, wartet unsere Vierjährige sehnsüchtig darauf, dass endlich auch bei ihr der erste Zahn wackelt. Fast täglich wird vor dem Spiegel kontrolliert, ob sich nicht doch schon etwas bewegt. Und natürlich wird immer wieder gefragt, wann die Zahnfee endlich vorbeikommt.
Als wir „Tilli und die Zahnfee“ entdeckt haben, war deshalb sofort klar: Dieses Buch müssen wir lesen.
Und ich kann schon vorwegnehmen – es hat uns mit seiner zauberhaften Idee und seinem liebevollen Humor wirklich begeistert.
Tilli kann es kaum erwarten, endlich ihre erste Zahnlücke zu bekommen. In ihrer Klasse haben schon fast alle Kinder einen Zahn verloren und natürlich wurde auch überall von der Zahnfee erzählt. Tilli freut sich deshalb nicht nur auf das kleine Geschenk unter ihrem Kopfkissen. Viel spannender findet sie die Zahnfee selbst.
Denn wer hat sie eigentlich jemals gesehen?
Genau das möchte Tilli ändern.
Sie entwickelt einen ziemlich raffinierten Plan und bastelt kurzerhand eine glitzernde Klebefalle. So soll die Zahnfee beim Einsammeln des Zahns einfach festkleben und Tilli kann sie endlich kennenlernen.
Eigentlich eine geniale Idee.
Oder zumindest glaubt Tilli das.
Doch als Zahnfee Milli tatsächlich in die Falle tappt, läuft plötzlich alles ganz anders als geplant. Ihre Flügel sind völlig zerknittert und an Wegfliegen ist nicht mehr zu denken. Ausgerechnet an ihrem ersten Arbeitstag!
Was nun folgt, ist eine herrlich fantasievolle Geschichte über kleine Missgeschicke, kreative Lösungen und eine Freundschaft, mit der wohl niemand gerechnet hätte.
Besonders schön fand ich, dass die Geschichte nicht nur aus Tillis Sicht erzählt wird.
Durch das Wendebuch-Konzept erleben wir auch die andere Seite und dürfen Zahnfee Milli begleiten. Gerade diese Idee hat mir richtig gut gefallen. Kinder sehen dadurch dieselben Ereignisse aus zwei unterschiedlichen Perspektiven und merken ganz nebenbei, dass jede Geschichte mehr als nur eine Seite hat.
Für junge Leser ist das eine wunderschöne Möglichkeit, sich in andere hineinzuversetzen.
Auch sprachlich ist das Buch wunderbar gelungen.
Die großen Buchstaben, die kurzen Textabschnitte und die vielen farbenfrohen Illustrationen machen das Lesen leicht und sorgen dafür, dass Kinder nicht überfordert werden. Gerade Leseanfänger können hier schnell erste Erfolgserlebnisse sammeln.
Noch schöner ist das Buch allerdings beim gemeinsamen Vorlesen.
Unsere Vierjährige hat gebannt zugehört und war sofort überzeugt, dass sie die Zahnfee ebenfalls unbedingt einmal sehen möchte. Mein Siebenjähriger musste mehrfach schmunzeln und meinte zwischendurch ganz trocken: “Zum Glück habe ich keine Glitzerfalle gebaut.” Und selbst unser Neunjähriger blieb noch eine ganze Weile sitzen und hat interessiert mitgelesen.
Genau solche Bücher mag ich besonders.
Sie schaffen es, Kinder unterschiedlichen Alters gemeinsam zu begeistern und bieten gleichzeitig viele kleine Gesprächsanlässe. Was wäre eigentlich passiert, wenn die Zahnfee wirklich einmal festkleben würde? Wie würde man ihr helfen? Und wie sieht die Zahnfee überhaupt aus?
Die Illustrationen von Alexandra Helm passen dabei wunderbar zur Geschichte. Sie sind farbenfroh, warmherzig und voller kleiner Details, die man immer wieder neu entdecken kann. Vor allem Zahnfee Milli ist einfach unglaublich niedlich gestaltet und war bei uns sofort der heimliche Star des Buches.
Auch das glitzernde Cover macht richtig etwas her und zieht Kinder sofort in seinen Bann. Unsere Tochter hatte das Buch kaum in der Hand, da wurde es schon aus allen Richtungen betrachtet, weil es so schön funkelt.
Mein Fazit:
„Tilli und die Zahnfee“ ist eine liebevolle Geschichte für alle Kinder, die ihren ersten Wackelzähnen entgegenfiebern oder gerade mitten in der Zahnfee-Zeit stecken.
Mit viel Fantasie, Humor und einer wunderschönen Botschaft erzählt das Buch von Freundschaft, kleinen Fehlern und kreativen Lösungen. Das besondere Wendebuch-Konzept sorgt zusätzlich für Abwechslung und macht die Geschichte zu etwas Besonderem.
Für uns war es ein zauberhaftes Vorlesebuch, das nicht nur unsere Vierjährige begeistert hat. Auch ihre großen Brüder hatten ihren Spaß daran – und genau das macht für mich ein richtig gutes Kinderbuch aus. Es bringt die ganze Familie zusammen und sorgt für gemeinsame Lesemomente, die noch lange in Erinnerung bleiben.



