Glutenfrei backen

Als wir angefangen haben, uns ernsthaft mit dem Thema glutenfrei zu beschäftigen, war ziemlich schnell klar: Wir brauchen mehr als ein paar abgespeicherte Rezepte und „wird schon irgendwie“-Mut. Wir brauchten ein Buch, das uns an die Hand nimmt. Eins, das nicht nur erklärt, was man glutenfrei backen kann, sondern vor allem wie es wirklich gut wird – ohne das Gefühl, ständig Kompromisse zu machen.

So sind wir relativ schnell bei Jörg Hecker gelandet. Sein Name tauchte immer wieder auf, wenn es um glutenfreies Backen ging, und irgendwann war klar: Das schauen wir uns genauer an. Und ich kann schon vorwegnehmen: ‚Natürlich glutenfrei backen – glutenfrei durch die Jahreszeiten‘ hat uns wirklich abgeholt.

Was dieses Buch für mich besonders macht, ist die Haltung dahinter. Hier geht es nicht um schnelle Fertigmischungen und „Hauptsache irgendwie brotig“. Jörg Hecker ist Konditormeister – und genau das merkt man. Die Rezepte sind durchdacht, sauber aufgebaut und haben diesen Anspruch, den man sich wünscht, wenn man plötzlich auf glutenfrei angewiesen ist: Es soll nicht nur funktionieren, es soll schmecken. Und zwar richtig.

Sehr hilfreich fanden wir auch den Fokus auf selbst gemischte Mehlkombinationen. Anfangs wirkt das vielleicht ein bisschen wie ein kleines Nebenfachstudium („Wie viele Mehlsorten kann ein Haushalt eigentlich besitzen?“), aber genau hier liegt der Schlüssel. Hecker arbeitet mit hochwertigen Mehlen wie Vollkornreis und Buchweizen, setzt auf Bindemittel wie Flohsamenschalen und verzichtet bewusst auf Maismehl, was für viele ein Pluspunkt ist. Dadurch entstehen Teige, die nicht nur zusammenhalten, sondern auch eine Textur bekommen, die man von glutenfrei oft erst einmal nicht erwartet.

Das Buch ist außerdem wunderbar saisonal aufgebaut. Es begleitet durch alle Jahreszeiten und liefert genau die Rezepte, nach denen man in der jeweiligen Zeit wirklich greift: Brötchen und Frühstücksideen, fruchtige Kuchen im Sommer, herzhafte Brote für die kühleren Monate und natürlich auch festliches Gebäck für die Weihnachtszeit. Ich mag solche Bücher, die sich anfühlen, als würden sie mit dem eigenen Alltag mitlaufen.

Ein weiteres Highlight: Die vielen Alternativen. Rezepte sind als milchfrei, eifrei, vegan oder histaminarm gekennzeichnet, und es wird transparent erklärt, wie man Zutaten austauschen kann. Gerade wenn bei Familien mehr als eine Unverträglichkeit im Raum steht, ist das unglaublich hilfreich. Man hat nicht das Gefühl, ständig an Grenzen zu stoßen, sondern bekommt Lösungen an die Hand.

Die Anleitungen sind Schritt für Schritt erklärt und gut verständlich – auch für Anfänger. Gleichzeitig sind sie nicht „zu simpel“, sondern lassen Raum, dazuzulernen. Und genau das ist es, was wir gerade brauchen: eine verlässliche Basis, auf der man aufbauen kann. Dazu kommen stimmungsvolle Fotos, die nicht nur hübsch aussehen, sondern wirklich Lust machen, direkt loszulegen.

Wir haben inzwischen schon einige Rezepte ausprobiert – und ja, wir sind absolut begeistert. Es ist genau dieses Gefühl: glutenfrei, aber ohne Verzicht. Mit Genuss. Mit Stolz auf das, was aus dem Ofen kommt. Und mit dem guten Gedanken, dass wir nicht nur „irgendwas“ ersetzen, sondern unser eigenes neues Backrepertoire aufbauen.

Für uns ist dieses Buch ein echter Glücksgriff. Ein Backbuch, das nicht nur Rezepte liefert, sondern Vertrauen. Und das ist, gerade am Anfang eines glutenfreien Weges, manchmal fast genauso wichtig wie das perfekte Brot.


Comics sind cool…

Kennt ihr das noch? Früher musste man Bücher lesen, ob man wollte oder nicht. Es wurde durchgehalten, durchgekämpft, durchgeblättert – manchmal mehr mit Seufzen als mit Begeisterung. Zum Glück hat sich da einiges verändert. Heute dürfen Bücher Spaß machen. Sie dürfen anders aussehen. Sie dürfen bunt, laut, kreativ und voller Sprechblasen sein. Und genau so ein Buch ist ‚Der Comic-Club‘ von Scott McCloud, illustriert von Raina Telgemeier.

Mein neunjähriger Sohn – grundsätzlich eher Team „Ich lese, wenn es sich lohnt“ – hat dieses Buch aufgeschlagen … und dann einfach nicht mehr aufgehört. Kein Erinnern, kein „Lies doch noch ein Kapitel“, kein Diskutieren. Er war drin. Komplett. Und als er fertig war, kam nur ein klares Urteil: „Fünf von fünf Sternen.“ Direkt danach saß er am Tisch und begann, seinen eigenen Comic zu zeichnen. Wenn ein Buch das schafft, dann hat es alles richtig gemacht.

In ‚Der Comic-Club’ geht es um vier sehr unterschiedliche Kinder: Makayla, die vor Ideen nur so sprudelt, Howard, der leidenschaftlich zeichnet, aber zu Hause wenig Unterstützung bekommt, Lynda, die in ihrem Perfektionismus gefangen ist, und Art, der einfach drauflos kreativ sein will. Gemeinsam gründen sie einen Comic-Künstler-Club – und entdecken dabei nicht nur, wie man Comics entwickelt, sondern auch, wie man über sich hinauswächst.

Was ich besonders schön finde: Es geht hier nicht nur ums Zeichnen. Es geht um Ausdruck. Um Körpersprache, Mimik, Perspektiven. Um die Frage, wie Geschichten entstehen. Und ganz nebenbei um Selbstzweifel, Mut, Freundschaft und darum, seine eigene Stimme zu finden. Das alles verpackt in einer lockeren, humorvollen, zugänglichen Form.

Manche würden vielleicht sagen: „Ist ja nur ein Comic.“ Aber ganz ehrlich? Comics sind Lesen. Punkt. Und dieser hier ist viel mehr als das. Er hat Tiefgang, Herz und Humor. Die Dialoge sind lebendig, stellenweise richtig witzig, und der Leser wird immer wieder direkt angesprochen. Man fühlt sich mittendrin im Club.

Durch den überschaubaren Textanteil ist das Buch auch ideal für Kinder, die sich sonst mit längeren Texten schwertun. Die Zeichnungen tragen die Geschichte, ohne oberflächlich zu sein. Es ist leicht zugänglich – und trotzdem inhaltlich stark.

Für uns ist ‚Der Comic-Club‘ ein Volltreffer. Mein Sohn war begeistert. Ich war positiv überrascht. Und wir beide würden uns riesig über eine Fortsetzung freuen. Denn wenn Lesen so viel Freude macht, darf es davon gern mehr geben.


Ostern naht

Was gehört zum Frühling dazu wie ein Frühblüher? Natürlich ein Osterbuch. Kaum zeigen sich die ersten Knospen, kaum liegt dieses besondere Licht in der Luft, wächst auch die Lust auf Geschichten, die nach Neubeginn, Wärme und ein bisschen Zauber duften. Genau so ein Buch ist ‚Das EiHörnchen‘.

‚Das EiHörnchen‘ von Miriam Mann, illustriert von Gabriele Tafuni

Im Mittelpunkt steht Ella Eichhörnchen – die beste Versteckfinderin im ganzen Wald. Wirklich, niemand entdeckt bessere Geheimverstecke als sie. Das kleine Problem: Sie erinnert sich später leider nie daran, wo sie ihre Nüsse eigentlich versteckt hat. Als sie im Frühling loszieht, um Frühstück für ihre Familie zu sammeln, passiert genau das wieder. Zwischen Bäumen, Blüten und Vogelgezwitscher verliert sie nicht nur ihre Vorräte, sondern auch die Orientierung. Plötzlich ist sie allein – und der Wald wirkt viel größer als sonst.

Zum Glück begegnet sie dem kleinen Hasen Otto, einem Osterhasenschüler, der sich im Wald bestens auskennt. Und hier beginnt das eigentliche Herz dieser Geschichte. Denn was zunächst wie eine Schwäche wirkt – Ellas Vergesslichkeit – entpuppt sich als ungeahnte Stärke. Gemeinsam entdecken die beiden, dass Ellas Kletterkünste und ihr Talent für gute Verstecke sie zur perfekten Helferin für das Eierverstecken machen. Und so wird aus dem vergesslichen Eichhörnchen das allererste EiHörnchen.

Ich liebe solche Geschichten. Leise, warmherzig und mit einer Botschaft, die sich ganz sanft zwischen die Zeilen legt: Jeder hat seine Stärken. Manchmal braucht es nur die richtige Perspektive – oder einen Freund, der einem hilft, sie zu erkennen. Gerade für Kinder ab drei Jahren ist das eine wunderschöne, stärkende Botschaft.

Die Illustrationen tragen ihren Teil dazu bei. Pastellige Frühlingsfarben, blühende Bäume, liebevoll gezeichnete Tierfiguren – jede Seite strahlt Wärme aus. Man möchte fast selbst durch diesen Wald spazieren, die Kirschblüten betrachten und tief die Frühlingsluft einatmen. Die Bilder laden zum Verweilen ein und machen das Buch zu einem echten Vorlese-Wohlfühlmoment.

Das EiHörnchen‘ ist für mich ein kleines, feines Osterbuch mit großem Herzen. Eine Geschichte über Freundschaft, Selbstvertrauen und das Entdecken der eigenen Stärken. Perfekt fürs Osternest – und für alle, die sich ein bisschen Frühling ins Herz holen möchten.


Der Zöliakie-Pass

Und dann – endlich – halten wir ihn in den Händen: unseren Zöliakie-Pass.

Ein kleines Dokument. So unscheinbar. Und doch fühlt es sich ein bisschen an wie ein offizieller Stempel auf unserer neuen Realität. „Ja, das ist jetzt so. Und ja, wir gehören jetzt dazu.“

Ich bin ehrlich gespannt, wofür dieser Pass in Zukunft alles gut sein wird. Natürlich ist er in erster Linie medizinisch gedacht. Darin sollen ab jetzt die Kontrollen, Werte und Fortschritte festgehalten werden. Ein Überblick über die Entwicklung. Ein Stück Struktur in dieser doch noch recht neuen Welt für uns.

Aber ich hoffe auf mehr.

Ich hoffe auf Erleichterung.

Auf Verständnis.

Auf weniger Diskussionen.

Denn nicht überall darf man einfach sein eigenes Essen mitbringen. Nicht in jedem Freizeitpark. Nicht in jeder Einrichtung. Nicht bei jeder Veranstaltung. Und vielleicht – so hoffe ich – hilft dieser Pass, wenn man erklären muss, warum das eigene Brot eben kein „Spleen“, sondern medizinische Notwendigkeit ist.

Es wäre schön, wenn man ihn einfach zeigen könnte und damit wäre alles gesagt.

Gleichzeitig ist er für uns auch ein Symbol. Ein Zeichen dafür, dass wir jetzt offiziell diesen Weg gehen. Dass wir nicht mehr nur „am Ausprobieren“ sind, sondern angekommen sind in einer neuen Normalität. Glutenfrei ist kein Trend. Kein Experiment. Sondern unser Alltag.

Ich bin neugierig, wie sich das alles entwickeln wird. Wie die nächsten Kontrolltermine laufen. Welche Fortschritte wir sehen. Wie routiniert wir irgendwann mit all dem umgehen werden.

Noch ist vieles neu. Noch sind wir am Lernen. Aber mit diesem kleinen Pass in der Hand fühlt es sich ein bisschen strukturierter an. Ein bisschen greifbarer.

Und vielleicht auch ein kleines Stück sicherer.


Die Rache der Götter

Nachdem uns Band 1 schon so begeistert hat, war klar: Wir brauchen Band 2. Und zwar am besten sofort. Manche Reihen haben dieses Talent, einen nicht nur neugierig, sondern regelrecht hibbelig zu machen – und genau so ging es uns mit Mythen der Monster.

Mit ‚Die Rache der Götter‘ führt Katherine Marsh ihre außergewöhnliche Kinderbuch-Reihe fort und nimmt uns erneut mit an die Accademia del Forte – ein Internat, das alles andere als gewöhnlich ist. Hier lernen keine „normalen“ Kinder, sondern die Nachkommen jener Gestalten, die in der griechischen Mythologie jahrhundertelang als Monster abgestempelt wurden.

Ava startet in ihr zweites Schuljahr – und sie ist nicht mehr das unsichere Mädchen vom Anfang. Nachdem sie im ersten Band die Wahrheit über ihre Vorfahrin Medusa herausgefunden hat, brennt sie nun darauf, auch die Geschichten der anderen sogenannten Monster ans Licht zu bringen. Denn was, wenn diese Erzählungen nie die ganze Wahrheit waren? Was, wenn Geschichte vor allem von den Siegern geschrieben wurde?

Genau hier setzt dieser zweite Band besonders stark an. Katherine Marsh erzählt griechische Mythen neu – aus der Perspektive derjenigen, die bisher keine Stimme hatten. Medusa wird nicht als blinde Bedrohung dargestellt, sondern als Beschützerin von Frauen und Mädchen, die für ihren Widerstand einen hohen Preis zahlen musste. Es geht nicht um einfache Schwarz-Weiß-Zeichnungen, sondern um Macht, Ungerechtigkeit und darum, wer eigentlich bestimmen darf, welche Version einer Geschichte weitergetragen wird.

Inhaltlich wird es dabei noch spannender als im ersten Teil. Der tyrannische Schulleiter Perseus sorgt weiterhin für eine bedrohliche Atmosphäre, und als Avas Freundin Layla auf die geheimnisvolle Vampirinsel verbannt wird, beginnt ein gefährliches Rettungsabenteuer. Götter, Dämonen, Intrigen – die Handlung ist temporeich, ohne überladen zu wirken. Es gibt packende Szenen, überraschende Wendungen und immer wieder humorvolle Momente, die das Ganze wunderbar auflockern. Die Namensspielereien haben uns übrigens mehrfach schmunzeln lassen.

Was mir besonders gefallen hat: Die Figuren entwickeln sich spürbar weiter. Ava wächst an ihren Herausforderungen, zweifelt, macht Fehler, steht wieder auf und wird mutiger. Sie bleibt dabei aber immer nahbar und authentisch. Genau das macht sie zu einer starken Heldin, mit der junge Leserinnen und Leser mitfühlen können.

Für uns war dieser zweite Band sogar noch stärker als der erste – tiefgründiger, vielschichtiger und gleichzeitig herrlich unterhaltsam. Eine kluge, spannende und empowernde Geschichte, die Mythologie neu denkt und dabei absolut zeitgemäß bleibt.

Perfekt für Percy-Jackson-Fans, für Mittelstufenklassen oder für alle, die Lust auf eine neue Perspektive auf alte Mythen haben.

Und jetzt? Warten wir sehnsüchtig auf Band 3.


Und was ist mit Brötchen?

Unser nächster „Atem-anhalten“-Moment kam schneller, als gedacht: das erste Wochenende nach der Diagnose.

Frühstück. Vor allem sonntags.

Ihr wisst schon – diese besondere Stimmung. Kein Termindruck, der Tisch ist gedeckt, Blumen stehen in der Mitte, Eier dampfen im Becher, Marmelade, Wurst, Käse. Und natürlich: frische Brötchen. Dieses kleine Stück Wochenendglück.

Und genau da saßen wir. Mit der Frage: Wie machen wir das jetzt?

Was für uns von Anfang an nicht in Frage kam: Unser Sohn bekommt glutenfreie Brötchen – und der Rest macht weiter wie bisher. Zwei Welten an einem Tisch? Zwei Sorten Brot? Zwei Sicherheiten? Nein. Wenn wir das machen, dann gemeinsam. Also hieß es: Kein Bäcker mehr. Zumindest nicht spontan und sorglos.

Das tat ehrlich gesagt ein bisschen weh. Dieses „mal eben schnell frische Brötchen holen“ fehlt. Aber wir haben beschlossen, nicht zu jammern, sondern zu experimentieren.

Und wisst ihr was? Wir machen unsere Brötchen jetzt selbst. Und ich sage es euch: Die schmecken richtig gut.

Unsere Mehlmischung ist mittlerweile fast so etwas wie ein kleines Ritual geworden. Kartoffelmehl, Vollkornreismehl, Tapiokamehl, helles Reismehl, Leinsamenmehl, Flohsamenschalenpulver – und HPMC. Ja, HPMC. Musste ich auch erst googeln. Willkommen im glutenfreien Chemieunterricht.

Was anfangs nach Laborarbeit klang, fühlt sich inzwischen erstaunlich normal an. Wir bereiten immer gleich die doppelte Menge Teig zu, backen vor und frieren die Hälfte der Brötchen ein. Am Wochenende kommen sie kurz in den Ofen – und wir sitzen wieder da mit warmen, duftenden Brötchen auf dem Tisch.

Nicht vom Bäcker.

Aber von uns.

Und irgendwie schmecken sie vielleicht sogar ein kleines bisschen besser, weil sie für uns alle sind. Weil niemand verzichten muss. Weil wir das gemeinsam tragen.

Ja, es ist mehr Aufwand. Ja, es ist Planung. Aber es ist auch ein neues Ritual geworden. Eines, das uns zeigt: Glutenfrei heißt nicht, dass das Wochenende weniger besonders ist. Es heißt nur, dass wir neue Wege finden.

Und jetzt seid ihr dran: Wer hat Geheimrezepte für richtig gute glutenfreie Brötchen? Oder echte Gamechanger-Tipps aus eurer Küche? Wir sammeln alles – denn wir lernen noch.


Zöliakie - die Klinik

Der Termin in der Klinik war lange geplant. Wochenlang stand er im Kalender, wie ein Meilenstein. Bis dahin sollten wir – so die klare Ansage – UNBEDINGT weiter glutenreich ernähren. Wirklich unbedingt.

Aber nach Rücksprache mit der Deutschen Zöliakie Gesellschaft haben wir uns bewusst dagegen entschieden. Die Blutwerte waren eindeutig. Der Verdacht war durch eine zweite Probe bestätigt. Für uns fühlte es sich schlicht falsch an, unserem Sohn weiterhin etwas zu geben, das ihm offensichtlich schadet – nur um es noch einmal schwarz auf weiß zu bekommen.

Also haben wir umgestellt. Sofort. Konsequenter als konsequent.

Trotzdem sind wir zum Termin gefahren. Mit Fragen im Gepäck. Mit Hoffnung. Vielleicht auch mit dem Wunsch nach ein bisschen mehr Begleitung. Man klammert sich ja doch an den Gedanken, dass da jemand sitzt, der einen auffängt, strukturiert durch die nächsten Schritte führt, vielleicht noch etwas erklärt, das man selbst noch nicht weiß.

Und dann saßen wir da.

Viel Neues gab es nicht. Eine Biopsie? Muss nicht. Kann aber. Für uns stand schnell fest: Nein. Die Werte sind eindeutig, die Symptome waren es auch. Unser Sohn wird lebenslang kein Gluten mehr essen. Punkt. Und ja – natürlich ist das erst einmal eine große Aussage. Aber ganz ehrlich? Es gibt Schlimmeres. Sehr viel Schlimmeres.

Was uns allerdings enttäuscht hat, war etwas anderes. Wir hatten uns mehr erhofft. Mehr Orientierung. Mehr konkrete Unterstützung. Vielleicht einen direkten Kontakt zu einer Ernährungsberatung. Eine Anlaufstelle. Ein „So machen Sie das jetzt Schritt für Schritt“. Doch selbst danach mussten wir aktiv fragen – und wirklich hilfreich war die Antwort nicht.

Also standen wir am Ende wieder da, wie so oft im Leben: mit vielen eigenen Recherchen, mit unserem Bauchgefühl und mit der Erkenntnis, dass man sich manchmal einfach selbst kümmern muss.

Und wisst ihr was? Das können wir.

Wir haben uns eingelesen, telefoniert, nachgefragt, ausprobiert. Wir haben Fehler gemacht, wieder neu angefangen und dazugelernt. Wir haben uns mit anderen Betroffenen vernetzt. Wir haben unsere Küche umgestellt, Rezepte getestet und gelernt, Zutatenlisten zu lesen wie Fachliteratur.

Natürlich hätte ich mir gewünscht, ein bisschen mehr an die Hand genommen zu werden. Gerade am Anfang. Aber vielleicht liegt genau darin auch eine Stärke: Wir sind nicht passiv durch diesen Prozess gegangen. Wir haben Verantwortung übernommen. Informiert entschieden. Unseren eigenen Weg gewählt.

Und am Ende zählt genau das.

Unser Sohn ist gut versorgt. Wir sind informiert. Und wir wissen: Wir schaffen das.


Magische Fantasy

Es gibt diese Bücher, bei denen man als Elternteil schon beim Klappentext denkt: Das könnte etwas werden. Und dann gibt es diese seltenen Momente, in denen genau das passiert. Mein großer Sohn – neun Jahre alt und ehrlich gesagt nur schwer für längere Leseabenteuer zu begeistern – hat dieses Buch nicht nur angefangen. Er hat es gelesen. Freiwillig. Und das will bei uns wirklich etwas heißen.

Stadt der Sänger und Verschwörer‘, der zweite Band der Reihe „Stadt der Magier“ von Judith Mohr, hat ihn von der ersten Seite an gepackt. Und zwar so richtig. Abends hieß es plötzlich nicht mehr „Ich habe keine Lust zu lesen“, sondern „Nur noch ein Kapitel“. Für mich ist das immer das größte Kompliment, das ein Buch bekommen kann.

In dieser Geschichte begleiten wir Cor, der seine Ausbildung als Magier fortsetzen soll und dafür in die Stadt Granadis reist. Gemeinsam mit seiner Freundin Ro wird er bei der Gesangsmagierin Maestra Ascendi und ihrem Mann aufgenommen. Schon dieser Einstieg hat meinen Sohn fasziniert: eine Stadt voller Magie, Lehrmeister mit besonderen Fähigkeiten, eine Welt, die gleichzeitig geheimnisvoll und lebendig wirkt.

Besonders spannend wird es, als in Granadis eine rätselhafte Krankheit um sich greift. Immer mehr Menschen erkranken, niemand weiß so recht warum. Schnell steht der Verdacht im Raum, dass mehr dahintersteckt als ein unglücklicher Zufall. Verschwörer, Gift, Intrigen – die Geschichte entwickelt sich zu einem richtigen Fantasy-Krimi mit magischer Atmosphäre.

Ro spielt dabei eine besonders starke Rolle. Sie entdeckt ihr Talent im Umgang mit Heilpflanzen und wächst spürbar über sich hinaus. Diese Entwicklung hat meinem Sohn sehr gefallen – eine Heldin, die nicht durch rohe Kraft, sondern durch Wissen, Mut und Herz überzeugt. Cor und Ro ergänzen sich wunderbar, und genau dieses Zusammenspiel macht die Geschichte so lebendig.

Was das Buch für meinen Sohn so fesselnd gemacht hat, war vor allem die Mischung aus Spannung und Magie. Es gibt düstere Momente, geheimnisvolle Andeutungen und immer wieder Wendungen, die neugierig machen. Gleichzeitig ist die Welt detailreich, ohne zu überfordern. Er hat mir immer wieder erzählt, was gerade passiert ist, Theorien aufgestellt und Vermutungen geäußert – das Buch hat ihn richtig mitgenommen.

Für mich ist ‚Stadt der Sänger und Verschwörer‘ ein starkes Fantasy-Abenteuer für Jugendliche, das auch jüngere, geübte Leser begeistern kann, wenn sie Lust auf Magie und Spannung haben. Es zeigt, wie kraftvoll Freundschaft, Mut und kluges Handeln sein können.

Und für uns war es noch etwas anderes: der Beweis, dass manchmal genau das richtige Buch zur richtigen Zeit kommt – und selbst einen lesemuffeligen Neunjährigen in eine magische Welt entführen kann.


Omas sind die Beste

Manchmal reicht schon der Titel, um zu wissen: Dieses Buch wird ein Herzensbuch. ‚Eine Oma für alle Fälle‘ – ist das bitte großartig? Denn mal ehrlich: Gibt es etwas Besseres als eine Oma? Für mich sind Omas Mamas mit Puderzucker und Zuckerguss. Ein bisschen weicher, ein bisschen süßer, mit einer Extra-Portion Herz und einer Prise Chaos.

Genau dieses Gefühl transportiert Christian Wichmann in seiner Geschichte – wunderbar ergänzt durch die lebendigen Illustrationen von Julia Christians.

Im Mittelpunkt steht Edgar. Ein Junge mit klarer Struktur, festen Gewohnheiten und einer ordentlichen Portion Vorsicht im Gepäck. Für jeden Wochentag trägt er eine bestimmte Farbe. Und eine Krawatte. Immer. Allein das macht ihn schon zu einer Figur, die man sofort ins Herz schließt. Edgar mag Ordnung, Vorhersehbarkeit und Sicherheit.

Und dann tritt sie in sein Leben: Frau Koschitz, die neue Nachbarin. Laut, bunt, unerschrocken. Während Edgar eher auf Nummer sicher geht, geht sie einfach los. Bilder werden bei ihr auch mal verkehrt herum aufgehängt – warum nicht? Regeln sind eher Vorschläge, Abenteuer dagegen eine Einladung. Zwei Welten prallen aufeinander. Schisser trifft Draufgängerin. Nerd trifft Krawallnudel. Und man denkt erst: Das passt doch niemals zusammen.

Oh doch.

Was zwischen diesen beiden entsteht, ist eine Freundschaft, die genauso schillernd ist wie Frau Koschitz’ Persönlichkeit. Gemeinsam erleben sie herrlich schräge Abenteuer: vom Opern-Einbruch bis zur Juwelendieb-Jagd. Es wird gefeiert, gekocht, gelacht – und ganz nebenbei lernt Edgar, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern sich trotzdem zu trauen.

Besonders schön finde ich, wie selbstverständlich das Buch vermittelt, dass jeder auf seine eigene Weise besonders ist. Da ist auch noch Frau Manteufel, die stets schlecht gelaunte Paragrafenreiterin im Haus. Bisher hat Edgar sich von ihr einschüchtern lassen. Doch mit Frau Koschitz an seiner Seite merkt er: Man muss sich nicht kleiner machen, als man ist.

Die Geschichte ist witzig, warmherzig und dabei nie überdreht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge – perfekt zum Vorlesen ab etwa sechs Jahren, aber auch wunderbar geeignet für erste Selbstleser. Es gibt humorvolle Szenen, spannende Momente und ganz leise, liebevolle Augenblicke, die nachklingen.

Und die Illustrationen? Ein Traum. Julia Christians fängt die Eigenheiten der Figuren so charmant ein, dass sie förmlich aus den Seiten springen. Ich hätte mir fast noch mehr Bilder gewünscht, so sehr habe ich sie genossen.

Eine Oma für alle Fälle‘ ist ein Buch, das Mut macht, Freude versprüht und zeigt, wie wertvoll ungewöhnliche Freundschaften sein können. Ein echtes Wohlfühlbuch für kleine und große Leser – mit ganz viel Glitzer obendrauf.


„Das Echo der Toten – Niemand schweigt für immer“

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr ein Buch beendet und sofort denkt: Das gehört verfilmt. Diese Geschichte schreit nach Bildern, nach Musik, nach Gänsehautmomenten auf der Leinwand. Und dann – Monate später – taucht genau dieser Stoff bei Netflix auf. Genau das ist mir mit dem ersten Band dieser Reihe passiert. Und jetzt halte ich mit „Das Echo der Toten – Niemand schweigt für immer“ den dritten und letzten Teil in den Händen. Ein Finale. Ein Abschied. Und ehrlich? Ich war gleichermaßen voller Vorfreude und ein bisschen wehmütig.

Javier Castillo hat etwas an sich, das mich immer wieder packt. Seine Geschichten sind nicht laut im klassischen Sinne. Keine übertriebene Action, keine künstlich aufgeblasenen Cliffhanger. Stattdessen ist da dieses konstante, unterschwellige Ziehen im Bauch. Dieses Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas Dunkles brodelt.

Diesmal führt uns die Geschichte zurück in einen Fall, der seit dreißig Jahren nicht zur Ruhe gekommen ist. Ein siebenjähriger Junge verschwindet spurlos. Der Vater, FBI-Agent Ben Miller, hat die Suche nie aufgegeben. Auch nicht nach seiner Pensionierung. Und an seiner Seite steht wieder Miren Triggs – Journalistin, Getriebene, Wahrheitssuchende. Ich liebe diese Figur. Sie ist nicht perfekt, nicht glatt, nicht heldenhaft im klassischen Sinn. Aber sie ist mutig. Und vor allem lässt sie nicht locker.

Der Einstieg ist intensiv und emotional. Man ist sofort wieder drin in dieser Welt aus alten Wunden, unbeantworteten Fragen und Menschen, die nicht loslassen können. Der Fund einer halb verwesten Leiche bringt neue Dynamik in den Fall – und plötzlich wird aus einem alten Vermisstenfall ein Netz aus Lügen, Geheimnissen und grausamer Wahrheit.

Was ich an Castillos Schreibstil so schätze, ist seine Klarheit. Er beschreibt nüchtern, beinahe sachlich – und gerade das macht die Brutalität so eindringlich. Nichts wirkt übertrieben oder effekthascherisch. Es ist diese trockene, fast distanzierte Art, die einem die Ereignisse umso stärker unter die Haut gehen lässt. Das Grauen entsteht nicht durch große Worte, sondern durch das, was zwischen den Zeilen mitschwingt.

Die wechselnden Perspektiven sorgen wieder für ordentlich Spannung. Man bekommt unterschiedliche Blickwinkel, entdeckt neue Puzzleteile, setzt Vermutungen zusammen – und wird trotzdem immer wieder überrascht. Ich hatte früh eine Ahnung, wohin die Reise gehen könnte. Und ja, manches hat sich bestätigt. Aber das bedeutet nicht, dass mich die Geschichte kaltgelassen hat. Im Gegenteil. Selbst mit einer Vorahnung fiebert man mit, leidet mit, hofft – und erschrickt trotzdem.

Besonders gelungen fand ich, wie sich alles Stück für Stück entfaltet. Keine hektischen Enthüllungen, sondern ein langsames, konsequentes Freilegen der Wahrheit. Und als sie schließlich ans Licht kommt, ist sie nicht nur schockierend, sondern zutiefst verstörend.

Dieses Buch geht unter die Haut. Nicht durch lautes Spektakel, sondern durch psychologische Tiefe. Durch die Frage, wie lange Schweigen bestehen kann. Und wie zerstörerisch es ist.

Für mich ist „Das Echo der Toten“ ein würdiger Abschluss dieser Trilogie. Emotional, düster, konsequent. Ich habe mitgefiebert, mitgerätselt und am Ende das Buch mit einem schweren, aber zufriedenen Herzen geschlossen.

Und ja – ich bin traurig, dass es vorbei ist. Miren Triggs werde ich vermissen. Aber vielleicht ist genau das das Zeichen einer guten Reihe: Wenn man nach der letzten Seite nicht loslassen möchte.

Für mich ganz klar: 5 von 5 Sternen. Ein starkes Finale, das noch lange nachhallt.


Wo sind die glutenfreien Eltern da draußen?

 Und trotzdem.

Trotz all unserer positiven Vibes, trotz Motivation, trotz „Wir schaffen das schon“-Mentalität ist da auch noch etwas anderes. Etwas, das leiser ist, aber manchmal ganz schön laut wird, wenn man abends im Bett liegt und die Gedanken anfangen, Kreise zu drehen.

Angst.

Sorge.

Diese typischen Eltern-Gedanken, die man sich nicht aussucht, die aber trotzdem kommen.

Ich frage mich so oft: Wie verpackt er das eigentlich alles? Was geht in seinem kleinen Kopf vor? Fühlt er sich anders als die anderen? Fühlt er sich irgendwann ausgeschlossen? Kommt irgendwann dieser Moment, in dem er denkt: Warum ausgerechnet ich?

Und dann tut mir allein der Gedanke daran schon weh.

Wir wissen doch alle, wie Kinder sein können. Sie sind ehrlich. Direkt. Ungefiltert. Und manchmal leider auch grausam. Wie auf einer Putenfarm: Ist eine anders, hacken alle auf ihr rum. Punkt. So unfair das klingt, so oft stimmt es.

Was ist, wenn er deswegen gehänselt wird? Wenn er erklären muss, warum er etwas nicht essen darf? Wenn er wieder und wieder gefragt wird, warum er „so kompliziert“ ist?

Was ist mit Kindergeburtstagen? Nicht seinem eigenen – den bekommen wir hin. Da bin ich inzwischen Profi in Planung und Organisation. Aber die von anderen. Wenn alle Kuchen essen und er daneben sitzt. Wenn alle zugreifen und er erst mal nachfragen muss. Wenn er sich vielleicht nicht traut, etwas zu sagen, um nicht aufzufallen.

Und irgendwann später… wenn er größer ist. Wenn Partys kommen. Wenn Freunde spontan Döner holen, Pizza bestellen, irgendwo anhalten. Und er wieder der ist, der nicht einfach mitmachen kann. Der überlegen muss. Der planen muss. Der verzichten muss.

Wird ihn das nerven? Wird es ihn traurig machen? Wird es ihn wütend machen?

Und dann diese eine Frage, die mir manchmal das Herz zusammendrückt:

Schaffen wir das als Eltern?

Schaffen wir es, ihn so stark zu machen, dass er das nicht als Schwäche sieht? Dass er sich nicht klein fühlt? Dass er sich nicht minderwertig fühlt?

Schaffen wir es, ihm zu zeigen, dass das keine Strafe ist. Kein Makel. Kein Nachteil. Sondern einfach ein Teil von ihm. Und vielleicht irgendwann sogar eine Art Superkraft. Weil er früh lernt, auf sich zu achten. Weil er Verantwortung übernimmt. Weil er seinen Körper versteht. Weil er weiß, was ihm guttut.

Ich wünsche mir so sehr, dass er eines Tages sagen kann: „Ja, ich habe Zöliakie. Und? Ist halt so. Ich komm klar.“

Dass er selbstbewusst ist. Dass er mutig ist. Dass er sich nicht versteckt.

Und manchmal, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Angst, dass wir daran scheitern könnten. Dass wir Fehler machen. Dass wir nicht immer die richtigen Worte finden. Dass wir ihn aus Versehen zu sehr schützen oder zu wenig.

Elternsein ist sowieso schon schwer.

Mit chronischer Krankheit wird es nicht leichter.

Und deshalb jetzt dieser kleine Hilferuf:

Wo sind die glutenfreien Eltern da draußen?

Die, die das alles schon kennen.

Die, die diese Gedanken auch hatten.

Die, deren Kinder älter sind.

Die, die wissen, wie es weitergeht.

Bitte steht mir bei.

Redet mir gut zu.

Erzählt mir, dass es gut wird.

Dass die Kinder stark werden.

Dass sie ihren Weg finden.

Dass sie glücklich sein können. Trotz allem. Oder vielleicht gerade deswegen.

Ich brauche das gerade ein bisschen. 💛