Hey Darmzotte!

Habt ihr ein Kind mit der Diagnose Zöliakie? Dann möchte ich euch heute ein Buch vorstellen, das mir wirklich am Herzen liegt.

Als Familie, die selbst noch mitten im Lernprozess steckt, weiß ich, wie viele Fragen, Gefühle und Unsicherheiten diese Diagnose mit sich bringt. Gerade für Jugendliche ist es oft noch einmal eine ganz eigene Herausforderung. Nicht dazugehören. Anders essen müssen. Erklären müssen. Verzichten müssen. Und genau hier setzt Hey Darmzotte! von Verena Herleth an – ein Jugendroman, der sogar von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft empfohlen wird.

Im Mittelpunkt steht Carina. Seit einem Jahr lebt sie mit der Diagnose Zöliakie, nach mehreren Krankenhausaufenthalten melden ihre Eltern sie zu einem Ernährungskurs in den Bergen an. Begeistert ist sie davon zunächst nicht. Noch mehr über ihre Krankheit sprechen? Noch mehr „anders sein“? Darauf hat sie eigentlich keine Lust.

Doch genau dort trifft sie zum ersten Mal auf andere Jugendliche, die ebenfalls mit Zöliakie leben. Und plötzlich steht nicht mehr nur die Diagnose im Raum. Denn schnell merken sie: Sie verbindet viel mehr als nur ihre Erkrankung. Freundschaft, Unsicherheit, Humor, erste Verliebtheit – das Leben hört ja nicht auf, nur weil man kein Gluten mehr essen darf.

Besonders gelungen finde ich die Tagebucheinträge, die sich durch das Buch ziehen. Sie geben einen sehr ehrlichen Einblick in Carinas Gedankenwelt. Man spürt ihre Wut, ihre Frustration, ihre Angst – aber auch ihre Hoffnung. Und genau das macht die Geschichte so nahbar. Jugendliche können sich in ihr wiederfinden, mit ihr fühlen, mit ihr wachsen.

Was mir außerdem sehr gefällt: Die fachlichen Informationen zur Zöliakie sind ganz selbstverständlich in die Handlung eingebunden. Kein erhobener Zeigefinger, kein trockener Sachtext, sondern Wissen, das sich organisch aus der Geschichte ergibt. So wird Verständnis geschaffen – sowohl für Betroffene als auch für Leserinnen und Leser, die sich einfach informieren möchten.

Natürlich darf auch ein bisschen Herzklopfen nicht fehlen. Carinas wachsendes Interesse an Maxin bringt zusätzliche emotionale Spannung ins Buch und zeigt: Zöliakie ist nur ein Teil des Lebens – nicht seine ganze Identität.

Hey Darmzotte! ist ein Jugendroman über Anderssein, Akzeptanz und Selbstbewusstsein. Über die Frage, wie man mit einer chronischen Erkrankung umgeht, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Und darüber, dass Einschränkungen nicht das Ende von Möglichkeiten bedeuten müssen.

Ich kann dieses Buch betroffenen Jugendlichen sehr empfehlen – aber genauso auch allen, die verstehen möchten, was diese Diagnose wirklich bedeutet. Ein wichtiges, sensibles und gleichzeitig hoffnungsvolles Buch, das Mut macht.