‚Der Weihnachtsbaum, den niemand wollte‘ ist eines dieser Bilderbücher, die leise daherkommen und doch lange nachklingen. Ein Buch, das nicht laut sein muss, um eine große Botschaft zu transportieren – und gerade deshalb perfekt in die Vorweihnachtszeit passt. 🎄✨
Im Mittelpunkt steht eine kleine Fichte, die aus einem Samenkorn heranwächst. Sie ist krumm, nicht besonders hoch und entspricht ganz sicher nicht dem Bild eines „perfekten“ Weihnachtsbaums. Zwischen all den geraden, stattlichen Bäumen im Wald wirkt sie unscheinbar, fast verloren. Als der Winter kommt und die Menschen in den Wald ziehen, um ihre Weihnachtsbäume auszusuchen, wird genau das spürbar. Die großen, schönen Bäume werden gefällt und mitgenommen – die kleine Fichte aber bleibt zurück. Nicht ausgewählt. Nicht gesehen. Allein.
Diese Einsamkeit ist behutsam und kindgerecht erzählt, ohne traurig zu erdrücken. Kinder können sehr gut nachvollziehen, wie es sich anfühlt, übersehen zu werden oder nicht dazuzugehören. Und genau hier entfaltet die Geschichte ihre besondere Stärke. Denn während die kleine Fichte glaubt, sie sei wertlos, zeigen die Tiere des Waldes ihr etwas ganz anderes. Für sie ist der Baum wichtig. Er bietet Schutz, Nahrung und ein Zuhause. Sie kommen zusammen, schmücken die Fichte mit dem, was der Wald hergibt – Beeren, Federn, Nüsse – und feiern Weihnachten genau dort, wo sie hingehört: mitten im Wald.
Yuval Zommer erzählt diese Geschichte mit viel Wärme und Ruhe. Die Sprache ist einfach, teils gereimt, gut verständlich und ideal zum Vorlesen. Nichts wirkt überladen oder belehrend, stattdessen entfaltet sich die Botschaft ganz natürlich zwischen den Zeilen. Kinder spüren schnell: Man muss nicht perfekt sein, um geliebt zu werden. Man ist wertvoll, so wie man ist.
Die Illustrationen tragen einen großen Teil zur Wirkung des Buches bei. Sie zeigen den Wald im Wandel der Jahreszeiten, die kleine Fichte in all ihrer Schiefe und die vielen Tiere, die sie umgeben. Die Bilder sind detailreich, aber nicht überfordernd, und laden zum Entdecken ein. Gerade für jüngere Kinder erschließt sich die Geschichte oft schon allein über die Illustrationen.
Beim gemeinsamen Lesen entsteht automatisch Gesprächsstoff: über Anderssein, über Freundschaft, über Heimat und darüber, dass es nicht immer das Ziel sein muss, „ausgewählt“ zu werden. Vielleicht ist es manchmal viel schöner, genau dort zu bleiben, wo man hingehört.
Der Weihnachtsbaum, den niemand wollte ist ein stilles, liebevolles Bilderbuch, das Selbstvertrauen stärkt und zeigt, wie wichtig Akzeptanz und Gemeinschaft sind. Ein Buch, das perfekt in die Adventszeit passt – zum Vorlesen, Anschauen, Innehalten und Fühlen.
