Endlich Antworten – Unser Weg zur Diagnose Zöliakie

Heute ist einer dieser Tage, die man nicht vergisst. Ein Tag, der uns erst den Boden unter den Füßen weggezogen hat und uns kurz darauf wieder Luft zum Atmen geschenkt hat. Heute haben wir endlich eine Diagnose bekommen. Endlich Antworten. Endlich Klarheit. Der erste Schock ist vorbei, und jetzt ist da vor allem eines: Erleichterung.

Vor über einem Jahr haben wir zum ersten Mal bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Unser ältester Sohn wuchs nicht mehr. Während andere Kinder größer wurden, blieb er stehen. Und nicht nur das – immer mehr kleine und große Baustellen kamen dazu. Magen-Darm-Probleme, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Blässe, geringes Gewicht. Es war wie ein Puzzle aus Symptomen, das einfach nicht zusammenpassen wollte. Und trotzdem wurde immer wieder abgewunken. „Das ist bestimmt nichts.“ „Das verwächst sich.“ „Beobachten wir erstmal.“

Also haben wir beobachtet. Monatelang.

Vor etwa drei Viertel Jahren habe ich dann gesagt: Jetzt reicht es. Gerade die Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt waren nicht mehr zu übersehen, und ich wusste, dass endlich etwas passieren muss. Normalerweise bin ich nicht der Typ Mensch, der die „Privatversicherten-Karte“ zieht, zumal ich selbst gesetzlich versichert bin. Aber wenn es um meine Kinder geht, kenne ich keine Zurückhaltung. Also habe ich gedrängt, nachgefragt und eingefordert.

Und trotzdem: keine Blutprobe, kein Stuhltest, keine echte Abklärung. Stattdessen nur: „Lassen Sie mal Laktose weg.“ Ja, es wurde ein bisschen besser. Aber gut? Nein. Ganz und gar nicht.

Dann kam plötzlich der Wendepunkt. Das Wachstum. Die Kurve stagnierte nicht nur – sie fiel. Und auf einmal war klar: Jetzt muss etwas passieren. Es folgte die Überweisung zum Endokrinologen, Blutabnahmen, Röntgen. Und dieser Satz, der uns noch lange im Kopf blieb: „Wenn ich mich nicht melde, ist alles in Ordnung.“

Er hat sich gemeldet.

Und ehrlich gesagt habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet.

Dann kam das Ergebnis: hochgradiger Verdacht auf Zöliakie.

Erstmal Stille. Erstmal hinsetzen. Erstmal durchatmen. Was heißt das jetzt? Was bedeutet das für unser Kind, für unseren Alltag, für unser Leben? Und vor allem: Warum ist da vorher nie jemand drauf gekommen? Die Antwort war bitter, aber plötzlich logisch. Zöliakie kann all das erklären – das stagnierende Wachstum, die Schmerzen, die Erschöpfung, die Magen-Darm-Probleme. Auf einmal ergab alles Sinn.

Und dann kam der nächste „Witz“: Wir sollten erstmal nichts ändern. Keine glutenfreie Ernährung. Weiter wie bisher. Weil der Verdacht erst bestätigt werden müsse. Weil Termine knapp seien. Weil wir frühestens in fünf Wochen drankämen. Fünf Wochen, in denen wir unserem Kind weiter das geben sollten, wogegen sein Körper offensichtlich kämpft.

Das fühlte sich falsch an. Grausam. Ungerecht.

Zum Glück hat unser Kinderarzt noch einmal gehandelt und eine weitere Blutprobe genommen. Heute kam das Ergebnis: Der Wert ist weiterhin so hoch, dass er nicht einmal messbar ist. In solchen Fällen braucht es oft nicht einmal mehr eine Biopsie. Die Diagnose ist damit praktisch sicher.

Und plötzlich war da wieder etwas: Hoffnung. Endlich Hoffnung.

Ja, es wird unbequem. Ja, unser Alltag wird sich verändern. Ja, wir müssen umdenken, neu lernen und neu planen. Aber es ist kein Weltuntergang. Es ist kein unlösbares Problem. Es ist nichts, womit man nicht leben kann. Und vor allem: Es ist behandelbar, auch wenn es nicht heilbar ist.

Unser Sohn bekommt jetzt die Chance, endlich gesund zu werden. Zu wachsen. Kraft zu sammeln. Einfach Kind zu sein.

Wir gehen diesen Weg gemeinsam. Als Familie. Als Team. Wir lernen zusammen, wir stolpern zusammen, wir wachsen zusammen. Und wir schaffen das.

In der nächsten Zeit werdet ihr hier immer wieder Inhalte zum Thema Zöliakie finden. Über unseren Alltag, unsere Learnings, unsere Rückschläge und Erfolge. Ihr begleitet uns auf unserem Weg, auf unserem Lernprozess, auf unserem Neustart.

Danke, dass ihr da seid. 💛 Danke fürs Lesen, fürs Mitfühlen und für all eure Unterstützung.