Manche Reihen schaffen etwas, das nur wenigen Geschichten gelingt: Sie lassen einen nicht einfach weiterlesen – sie ziehen einen hinein, halten fest und lassen auch nach dem Zuklappen nicht mehr los. „A Reaper at the Gates“, der dritte Band der episch-romantischen Weltbestseller-Reihe von Sabaa Tahir, gehört für mich ganz eindeutig dazu. Auch diesen Teil habe ich nicht gelesen, ich habe ihn verschlungen.
Schon das Cover ist wieder ein absoluter Hingucker. Düster, kraftvoll, perfekt abgestimmt auf die vorherigen Bände – ein echtes Schmuckstück im Regal. Doch kaum schlägt man das Buch auf, tritt das Äußere schnell in den Hintergrund. Sabaa Tahirs Schreibstil ist intensiv, bildgewaltig und emotional so dicht, dass man sich der Geschichte kaum entziehen kann. Ich war ab der ersten Seite wieder vollständig gefangen in dieser rauen, grausamen und gleichzeitig faszinierenden Welt, in der nichts sicher ist und Hoffnung immer hart erkämpft werden muss.Die Geschichte folgt erneut drei jungen Menschen, drei Schicksalen, die auf schmerzhafte Weise miteinander verknüpft sind. Das Imperium steht kurz vor dem Zerfall, alte Machtstrukturen bröckeln, und über allem liegt die drohende Dunkelheit des Nachtbringers. Helena kämpft verzweifelt darum, das Reich zusammenzuhalten und den schwachen Imperator vor dem Einfluss der skrupellosen Kommandantin zu schützen. Laia weiß als Einzige, wie tief die Bedrohung wirklich reicht – und dass es Elias braucht, um dem Nachtbringer etwas entgegensetzen zu können. Doch Elias ist nicht mehr der, der er einmal war. Als Seelenfänger wandelt er zwischen Leben und Tod, ringt um seine Menschlichkeit und droht dabei alles zu verlieren, was ihn einst ausgemacht hat – inklusive der Liebe, die ihn eigentlich retten sollte.
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die emotionale Tiefe der Figuren. Laia und Elias haben sich im Verlauf der Reihe enorm weiterentwickelt. Ihre innere Zerrissenheit, ihre Angst, ihre Hoffnung und ihr Mut sind so greifbar beschrieben, dass man jede Entscheidung, jeden Zweifel miterlebt. Helena hat mich in diesem Band besonders beschäftigt. Ihr innerer Konflikt, ihre Loyalität und die Entscheidungen, die sie treffen muss, sind komplex und schmerzhaft – sie ist keine einfache Figur, aber genau das macht sie so spannend.
Auch die Antagonisten sind stark gezeichnet. Die Nightbringer bringen eine konstante, bedrohliche Atmosphäre mit sich, die sich durch das gesamte Buch zieht. Keris ist für mich ein besonders eindringlicher Gegenspieler: grausam, manipulativ und unberechenbar. Man weiß nie, wann er zuschlägt oder welche Fäden er gerade im Hintergrund zieht – und genau das hält die Spannung dauerhaft hoch.
Die Handlung ist brutal, emotional und voller unerwarteter Wendungen. Sabaa Tahir spart nicht mit Schmerz, Verlust oder moralischen Grauzonen. Hoffnung und Verzweiflung liegen hier erschreckend nah beieinander, und als Leserin musste ich mehr als einmal schlucken. Trotz der vielen Perspektivwechsel bleibt die Geschichte flüssig und gut zu verfolgen, ohne an Tiefe zu verlieren. Jede Szene wirkt durchdacht, jede Entwicklung hat Gewicht.
Als ich die letzte Seite umgeschlagen habe, blieb dieses vertraute Gefühl zurück: ein schweres Herz, tausend Gedanken und der dringende Wunsch, sofort weiterlesen zu können – obwohl noch nicht alles erzählt ist.
„A Reaper at the Gates“ ist düster, emotional, episch und unglaublich fesselnd. Eine klare Leseempfehlung für alle, die diese Reihe lieben – und für alle, die bereit sind, mit ihren Figuren zu leiden, zu hoffen und zu kämpfen.
4,5/5 ⭐️
Eine klare Leseempfehlung für alle, die diese Reihe lieben – und für alle, die bereit sind, mit ihren Figuren zu leiden, zu hoffen und zu kämpfen.
