Manchmal reicht schon der Titel, um zu wissen: Dieses Buch wird ein Herzensbuch. ‚Eine Oma für alle Fälle‘ – ist das bitte großartig? Denn mal ehrlich: Gibt es etwas Besseres als eine Oma? Für mich sind Omas Mamas mit Puderzucker und Zuckerguss. Ein bisschen weicher, ein bisschen süßer, mit einer Extra-Portion Herz und einer Prise Chaos.
Genau dieses Gefühl transportiert Christian Wichmann in seiner Geschichte – wunderbar ergänzt durch die lebendigen Illustrationen von Julia Christians.
Im Mittelpunkt steht Edgar. Ein Junge mit klarer Struktur, festen Gewohnheiten und einer ordentlichen Portion Vorsicht im Gepäck. Für jeden Wochentag trägt er eine bestimmte Farbe. Und eine Krawatte. Immer. Allein das macht ihn schon zu einer Figur, die man sofort ins Herz schließt. Edgar mag Ordnung, Vorhersehbarkeit und Sicherheit.
Und dann tritt sie in sein Leben: Frau Koschitz, die neue Nachbarin. Laut, bunt, unerschrocken. Während Edgar eher auf Nummer sicher geht, geht sie einfach los. Bilder werden bei ihr auch mal verkehrt herum aufgehängt – warum nicht? Regeln sind eher Vorschläge, Abenteuer dagegen eine Einladung. Zwei Welten prallen aufeinander. Schisser trifft Draufgängerin. Nerd trifft Krawallnudel. Und man denkt erst: Das passt doch niemals zusammen.
Oh doch.
Was zwischen diesen beiden entsteht, ist eine Freundschaft, die genauso schillernd ist wie Frau Koschitz’ Persönlichkeit. Gemeinsam erleben sie herrlich schräge Abenteuer: vom Opern-Einbruch bis zur Juwelendieb-Jagd. Es wird gefeiert, gekocht, gelacht – und ganz nebenbei lernt Edgar, dass Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern sich trotzdem zu trauen.
Besonders schön finde ich, wie selbstverständlich das Buch vermittelt, dass jeder auf seine eigene Weise besonders ist. Da ist auch noch Frau Manteufel, die stets schlecht gelaunte Paragrafenreiterin im Haus. Bisher hat Edgar sich von ihr einschüchtern lassen. Doch mit Frau Koschitz an seiner Seite merkt er: Man muss sich nicht kleiner machen, als man ist.
Die Geschichte ist witzig, warmherzig und dabei nie überdreht. Die Kapitel haben eine angenehme Länge – perfekt zum Vorlesen ab etwa sechs Jahren, aber auch wunderbar geeignet für erste Selbstleser. Es gibt humorvolle Szenen, spannende Momente und ganz leise, liebevolle Augenblicke, die nachklingen.
Und die Illustrationen? Ein Traum. Julia Christians fängt die Eigenheiten der Figuren so charmant ein, dass sie förmlich aus den Seiten springen. Ich hätte mir fast noch mehr Bilder gewünscht, so sehr habe ich sie genossen.
‚Eine Oma für alle Fälle‘ ist ein Buch, das Mut macht, Freude versprüht und zeigt, wie wertvoll ungewöhnliche Freundschaften sein können. Ein echtes Wohlfühlbuch für kleine und große Leser – mit ganz viel Glitzer obendrauf.
