Magische Fantasy

Es gibt diese Bücher, bei denen man als Elternteil schon beim Klappentext denkt: Das könnte etwas werden. Und dann gibt es diese seltenen Momente, in denen genau das passiert. Mein großer Sohn – neun Jahre alt und ehrlich gesagt nur schwer für längere Leseabenteuer zu begeistern – hat dieses Buch nicht nur angefangen. Er hat es gelesen. Freiwillig. Und das will bei uns wirklich etwas heißen.

Stadt der Sänger und Verschwörer‘, der zweite Band der Reihe „Stadt der Magier“ von Judith Mohr, hat ihn von der ersten Seite an gepackt. Und zwar so richtig. Abends hieß es plötzlich nicht mehr „Ich habe keine Lust zu lesen“, sondern „Nur noch ein Kapitel“. Für mich ist das immer das größte Kompliment, das ein Buch bekommen kann.

In dieser Geschichte begleiten wir Cor, der seine Ausbildung als Magier fortsetzen soll und dafür in die Stadt Granadis reist. Gemeinsam mit seiner Freundin Ro wird er bei der Gesangsmagierin Maestra Ascendi und ihrem Mann aufgenommen. Schon dieser Einstieg hat meinen Sohn fasziniert: eine Stadt voller Magie, Lehrmeister mit besonderen Fähigkeiten, eine Welt, die gleichzeitig geheimnisvoll und lebendig wirkt.

Besonders spannend wird es, als in Granadis eine rätselhafte Krankheit um sich greift. Immer mehr Menschen erkranken, niemand weiß so recht warum. Schnell steht der Verdacht im Raum, dass mehr dahintersteckt als ein unglücklicher Zufall. Verschwörer, Gift, Intrigen – die Geschichte entwickelt sich zu einem richtigen Fantasy-Krimi mit magischer Atmosphäre.

Ro spielt dabei eine besonders starke Rolle. Sie entdeckt ihr Talent im Umgang mit Heilpflanzen und wächst spürbar über sich hinaus. Diese Entwicklung hat meinem Sohn sehr gefallen – eine Heldin, die nicht durch rohe Kraft, sondern durch Wissen, Mut und Herz überzeugt. Cor und Ro ergänzen sich wunderbar, und genau dieses Zusammenspiel macht die Geschichte so lebendig.

Was das Buch für meinen Sohn so fesselnd gemacht hat, war vor allem die Mischung aus Spannung und Magie. Es gibt düstere Momente, geheimnisvolle Andeutungen und immer wieder Wendungen, die neugierig machen. Gleichzeitig ist die Welt detailreich, ohne zu überfordern. Er hat mir immer wieder erzählt, was gerade passiert ist, Theorien aufgestellt und Vermutungen geäußert – das Buch hat ihn richtig mitgenommen.

Für mich ist ‚Stadt der Sänger und Verschwörer‘ ein starkes Fantasy-Abenteuer für Jugendliche, das auch jüngere, geübte Leser begeistern kann, wenn sie Lust auf Magie und Spannung haben. Es zeigt, wie kraftvoll Freundschaft, Mut und kluges Handeln sein können.

Und für uns war es noch etwas anderes: der Beweis, dass manchmal genau das richtige Buch zur richtigen Zeit kommt – und selbst einen lesemuffeligen Neunjährigen in eine magische Welt entführen kann.