Die Rache der Götter

Nachdem uns Band 1 schon so begeistert hat, war klar: Wir brauchen Band 2. Und zwar am besten sofort. Manche Reihen haben dieses Talent, einen nicht nur neugierig, sondern regelrecht hibbelig zu machen – und genau so ging es uns mit Mythen der Monster.

Mit ‚Die Rache der Götter‘ führt Katherine Marsh ihre außergewöhnliche Kinderbuch-Reihe fort und nimmt uns erneut mit an die Accademia del Forte – ein Internat, das alles andere als gewöhnlich ist. Hier lernen keine „normalen“ Kinder, sondern die Nachkommen jener Gestalten, die in der griechischen Mythologie jahrhundertelang als Monster abgestempelt wurden.

Ava startet in ihr zweites Schuljahr – und sie ist nicht mehr das unsichere Mädchen vom Anfang. Nachdem sie im ersten Band die Wahrheit über ihre Vorfahrin Medusa herausgefunden hat, brennt sie nun darauf, auch die Geschichten der anderen sogenannten Monster ans Licht zu bringen. Denn was, wenn diese Erzählungen nie die ganze Wahrheit waren? Was, wenn Geschichte vor allem von den Siegern geschrieben wurde?

Genau hier setzt dieser zweite Band besonders stark an. Katherine Marsh erzählt griechische Mythen neu – aus der Perspektive derjenigen, die bisher keine Stimme hatten. Medusa wird nicht als blinde Bedrohung dargestellt, sondern als Beschützerin von Frauen und Mädchen, die für ihren Widerstand einen hohen Preis zahlen musste. Es geht nicht um einfache Schwarz-Weiß-Zeichnungen, sondern um Macht, Ungerechtigkeit und darum, wer eigentlich bestimmen darf, welche Version einer Geschichte weitergetragen wird.

Inhaltlich wird es dabei noch spannender als im ersten Teil. Der tyrannische Schulleiter Perseus sorgt weiterhin für eine bedrohliche Atmosphäre, und als Avas Freundin Layla auf die geheimnisvolle Vampirinsel verbannt wird, beginnt ein gefährliches Rettungsabenteuer. Götter, Dämonen, Intrigen – die Handlung ist temporeich, ohne überladen zu wirken. Es gibt packende Szenen, überraschende Wendungen und immer wieder humorvolle Momente, die das Ganze wunderbar auflockern. Die Namensspielereien haben uns übrigens mehrfach schmunzeln lassen.

Was mir besonders gefallen hat: Die Figuren entwickeln sich spürbar weiter. Ava wächst an ihren Herausforderungen, zweifelt, macht Fehler, steht wieder auf und wird mutiger. Sie bleibt dabei aber immer nahbar und authentisch. Genau das macht sie zu einer starken Heldin, mit der junge Leserinnen und Leser mitfühlen können.

Für uns war dieser zweite Band sogar noch stärker als der erste – tiefgründiger, vielschichtiger und gleichzeitig herrlich unterhaltsam. Eine kluge, spannende und empowernde Geschichte, die Mythologie neu denkt und dabei absolut zeitgemäß bleibt.

Perfekt für Percy-Jackson-Fans, für Mittelstufenklassen oder für alle, die Lust auf eine neue Perspektive auf alte Mythen haben.

Und jetzt? Warten wir sehnsüchtig auf Band 3.