Nach dem Buch über glutenfreies Brotbacken, Kuchen, Brötchen und weiß der Geier was noch alles, kam ziemlich schnell die nächste Erkenntnis: Damit ist es natürlich nicht getan. Ein Buch allein macht noch keine glutenfreie Küche. Schön wär’s.
Also ging es los mit dem nächsten Kapitel: Mehl.
Und zwar nicht ein bisschen Mehl.
Nein. Viel Mehl. Sehr viel Mehl.
Wir haben angefangen, verschiedene Mehlsorten einzukaufen, um unsere eigenen Mischungen herzustellen. Für Brot. Für Kuchen. Für süße Teige. Für herzhafte Teige. Für Pizza. Für alles, was irgendwie mal mit Mehl zu tun haben könnte. Plötzlich standen da Tüten und Dosen mit Namen, von denen ich vorher nicht einmal wusste, dass sie existieren. Hirsemehl, Buchweizenmehl, Reismehl, Sorghum, Teff, Tapioka, Flohsamenschalen… Ich habe teilweise das Gefühl, ich habe heimlich ein kleines Spezialstudium in alternativen Mehlsorten begonnen.
Und als wir dachten, jetzt wären wir erstmal ganz gut ausgestattet, kam die nächste Erkenntnis: Es geht nicht nur ums Essen. Es geht um alles drumherum.
Neue Brettchen.
Neue Messer.
Neue Küchenutensilien.
Neue Aufbewahrungsdosen.
Neue Arbeitsflächen-Routinen.
Auf einmal schaut man seine eigene Küche an und denkt: Okay… das hier ist jetzt ein potenzielles Minenfeld.
Krümel werden plötzlich zum Thema.
Toaster zum Feind.
Holzbretter zum Risiko.
Wer hätte gedacht, dass ein bisschen Gluten so einen Rattenschwanz hinter sich herzieht?
Man fängt an, über Dinge nachzudenken, über die man sich vorher nie Gedanken gemacht hat. Wo lag das Brot? Womit wurde geschnitten? Wurde das Brett vorher benutzt? Ist das sauber genug? Kann da noch was dran sein?
Man wird plötzlich sehr aufmerksam. Und sehr gründlich. Und manchmal auch ein kleines bisschen paranoid. Aber lieber so, als anders.
Und trotzdem – bei all dem Chaos, bei all den neuen Regeln, bei all den To-do-Listen und Umstellungen – merke ich gerade: Wir sind auf einer Mission.
Wir entdecken neue Welten.
Neue Zutaten.
Neue Rezepte.
Neue Möglichkeiten.
Wir lernen jeden Tag dazu. Und ja, manchmal nervt es. Manchmal ist es anstrengend. Manchmal hätte ich gerne einfach nur „normal“ gekocht, ohne vorher fünf Zutaten zu googeln. Aber dann sehe ich, wie selbstverständlich mein Sohn damit umgeht, wie neugierig er ist und wie sehr er merkt, dass wir das gemeinsam machen – und dann weiß ich, dass sich all das lohnt.
Und machen wir uns nichts vor: In der heutigen Zeit lässt sich damit wirklich ganz gut leben. Das Angebot ist riesig. Die Auswahl wächst ständig. Man findet Rezepte, Communities, Tipps, Unterstützung. Vor zwanzig Jahren hätte das alles wahrscheinlich ganz anders ausgesehen. Da wäre vieles noch komplizierter, einsamer und schwerer gewesen.
Heute fühlt es sich eher an wie ein großes Puzzle, das wir Stück für Stück zusammensetzen.
Mit Mehl an den Händen.
Mit Chaos in der Küche.
Mit viel Humor.
Und mit dem festen Willen, unseren eigenen Weg zu finden.
Fortsetzung folgt. 💛
