Zöliakie, Mehl und Ehekrisen in Edelstahl

Und als wäre das alles noch nicht genug gewesen, durfte noch etwas bei uns einziehen. Etwas, das ich mir seit Jahren wünsche. Etwas, um das ich innerlich schon lange herumschleiche wie eine Katze um einen heißen Brei. Etwas, für das wir bisher einfach nie bereit waren, so viel Geld auszugeben.

Eine neue Küchenmaschine.

Natürlich selbstgekauft. Keine Kooperation. Kein Geschenk. Kein „Hey, probier doch mal“. Einfach wir. Unser Konto. Unsere Entscheidung.

Und jetzt kommt die Quizfrage des Tages:

Wer hat sie gekauft?

Richtig.

Mein Mann.

Es gibt diese Küchenmaschinen in allen erdenklichen Farben. In Mint. In Rot. In Orange. In Pastell. In Matt-Schwarz. In „Ich-bin-ein-Instagram-Traum“-Optik. In „Ich-mache-jede-Küche-hübscher“-Design.

Und was bekomme ich?

Edelstahl.

Edelstahl.

Als würden wir ab morgen eine Großküche eröffnen. Oder eine Kantine. Oder eine industrielle Bäckerei mit Schichtbetrieb.

Ich hatte mich innerlich schon gesehen, wie ich süße Reels drehe. Mit einer roten Küchenmaschine im Hintergrund. Farbenfroh. Fröhlich. Mehl im Gesicht. Gute Laune. „Happy glutenfree baking vibes“.

Und jetzt?

Steht da ein silbernes, hochprofessionelles, emotionslos glänzendes Gerät und schaut mich an, als wolle es sagen: „Wir sind hier zum Arbeiten. Nicht zum Spaß.“

Danke dafür.

Ich habe kurz überlegt, ob ich mein ganzes Farbkonzept jetzt einfach umbaue. Vielleicht ziehe ich ab sofort nur noch schwarze Oberteile an, damit alles zusammenpasst. So richtig im Wednesday-Style. Dunkel. Mysteriös. Backen mit Drama. 

Ich war ehrlich gesagt so „begeistert“, dass ich mich geweigert habe, beim Auspacken zu helfen. Einfach aus Prinzip. Man muss ja auch mit fast 40 noch ein bisschen schmollen dürfen. Das ist mein gutes Recht.

Ich stand daneben, habe geguckt, kommentarlos den Kopf geschüttelt und innerlich einen kleinen Protestmarsch veranstaltet.


Natürlich hatte ich direkt einen Plan.

Plan A:

Am nächsten Tag heimlich umtauschen.

Klingt gut, oder?

Tja. Dummerweise lag am nächsten Tag der Rest der Familie mit Grippe auf der Couch. Und während alle mehr oder weniger elendig vor sich hin vegetierten, stand Bäckermeister Michael geschniegelt und motiviert in der Küche und hat bereits die ersten glutenfreien Teige geknetet.


Mit meiner Edelstahlmaschine.

Meiner.

Unantastbar.

Unumtauschbar.

Eingearbeitet.

Das Thema war damit durch.

Und weißt du was?

Natürlich liebe ich sie inzwischen trotzdem ein bisschen.

Natürlich ist sie praktisch.

Natürlich macht sie einen mega Job.

Natürlich werden wir damit wahrscheinlich die besten Brote und Teige unseres Lebens produzieren.

Aber innerlich trauere ich meiner roten Instagram-Traum-Maschine noch ein kleines bisschen nach.


Sehr leise.

Sehr heimlich.

Sehr erwachsen.

Oder auch nicht.


Et is wie et is.

Et kütt wie et kütt.

Et hätt noch emmer joot jejange.

Und jetzt wird halt mit Edelstahl gebacken.

Fortsetzung folgt. 💛😄