Und trotzdem.
Trotz all unserer positiven Vibes, trotz Motivation, trotz „Wir schaffen das schon“-Mentalität ist da auch noch etwas anderes. Etwas, das leiser ist, aber manchmal ganz schön laut wird, wenn man abends im Bett liegt und die Gedanken anfangen, Kreise zu drehen.
Angst.
Sorge.
Diese typischen Eltern-Gedanken, die man sich nicht aussucht, die aber trotzdem kommen.
Ich frage mich so oft: Wie verpackt er das eigentlich alles? Was geht in seinem kleinen Kopf vor? Fühlt er sich anders als die anderen? Fühlt er sich irgendwann ausgeschlossen? Kommt irgendwann dieser Moment, in dem er denkt: Warum ausgerechnet ich?
Und dann tut mir allein der Gedanke daran schon weh.
Wir wissen doch alle, wie Kinder sein können. Sie sind ehrlich. Direkt. Ungefiltert. Und manchmal leider auch grausam. Wie auf einer Putenfarm: Ist eine anders, hacken alle auf ihr rum. Punkt. So unfair das klingt, so oft stimmt es.
Was ist, wenn er deswegen gehänselt wird? Wenn er erklären muss, warum er etwas nicht essen darf? Wenn er wieder und wieder gefragt wird, warum er „so kompliziert“ ist?
Was ist mit Kindergeburtstagen? Nicht seinem eigenen – den bekommen wir hin. Da bin ich inzwischen Profi in Planung und Organisation. Aber die von anderen. Wenn alle Kuchen essen und er daneben sitzt. Wenn alle zugreifen und er erst mal nachfragen muss. Wenn er sich vielleicht nicht traut, etwas zu sagen, um nicht aufzufallen.
Und irgendwann später… wenn er größer ist. Wenn Partys kommen. Wenn Freunde spontan Döner holen, Pizza bestellen, irgendwo anhalten. Und er wieder der ist, der nicht einfach mitmachen kann. Der überlegen muss. Der planen muss. Der verzichten muss.
Wird ihn das nerven? Wird es ihn traurig machen? Wird es ihn wütend machen?
Und dann diese eine Frage, die mir manchmal das Herz zusammendrückt:
Schaffen wir das als Eltern?
Schaffen wir es, ihn so stark zu machen, dass er das nicht als Schwäche sieht? Dass er sich nicht klein fühlt? Dass er sich nicht minderwertig fühlt?
Schaffen wir es, ihm zu zeigen, dass das keine Strafe ist. Kein Makel. Kein Nachteil. Sondern einfach ein Teil von ihm. Und vielleicht irgendwann sogar eine Art Superkraft. Weil er früh lernt, auf sich zu achten. Weil er Verantwortung übernimmt. Weil er seinen Körper versteht. Weil er weiß, was ihm guttut.
Ich wünsche mir so sehr, dass er eines Tages sagen kann: „Ja, ich habe Zöliakie. Und? Ist halt so. Ich komm klar.“
Dass er selbstbewusst ist. Dass er mutig ist. Dass er sich nicht versteckt.
Und manchmal, wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich Angst, dass wir daran scheitern könnten. Dass wir Fehler machen. Dass wir nicht immer die richtigen Worte finden. Dass wir ihn aus Versehen zu sehr schützen oder zu wenig.
Elternsein ist sowieso schon schwer.
Mit chronischer Krankheit wird es nicht leichter.
Und deshalb jetzt dieser kleine Hilferuf:
Wo sind die glutenfreien Eltern da draußen?
Die, die das alles schon kennen.
Die, die diese Gedanken auch hatten.
Die, deren Kinder älter sind.
Die, die wissen, wie es weitergeht.
Bitte steht mir bei.
Redet mir gut zu.
Erzählt mir, dass es gut wird.
Dass die Kinder stark werden.
Dass sie ihren Weg finden.
Dass sie glücklich sein können. Trotz allem. Oder vielleicht gerade deswegen.
Ich brauche das gerade ein bisschen. 💛
